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Gemeinsames Forschungsvorhaben

Schalz / Busch Microsystems

Die W3+ FAIR ist ein Ort, an dem Kooperationen erfolgreich angebahnt werden. Im Falle von Karl-Josef Schalz, Professor an der HAWK Göttingen, und der Busch Microsystems Consult GmbH in Bretzenheim haben sich zwei Partner gesucht und gefunden.

Rückblickend klingt alles ganz einfach und naheliegend. Man könnte den Eindruck gewinnen, als sei Karl-Josef Schalz vor rund eineinhalb Jahren einer Art Vorsehung gefolgt. Auf der W3+ FAIR 2015 war er als Geschäftsführer von Schalz Adaptronic mit einem Messestand vertreten. Als Professor für Präzisionsmaschinenbau an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) Hildesheim Holzminden Göttingen machte er sich auf den Weg durch die Messehalle. Direkt in der Nachbarschaft interessierte er sich für die Produkte von Busch Microsystems. Das Unternehmen aus dem rheinland-pfälzischen Bretzenheim gilt als Experte für Systemlösungen im Bereich Präzisionsmechanik und Steuerungstechnik. Am Messestand kamen Geschäftsführer Winfried Busch und Karl-Josef Schalz ins Gespräch. Bei der Abendveranstaltung lernte man sich näher kennen, Ideen wurden ausgetauscht.

Dass aus dieser ersten Begegnung ein beeindruckendes Kooperationsprojekt zwischen Hochschule und Industrie entstehen würde, war damals noch nicht absehbar. In dem Forschungsvorhaben geht es um die Entwicklung einer Ultra-Präzisions-Geradheits Messmaschine, mit deren Hilfe bis zu zwei Meter lange, gerade Referenzlineale mit einer bis heute nicht möglichen Messgenauigkeit vermessen werden können. Die angestrebte Messunsicherheit der Messmaschine soll über Messobjektlängen von bis zu 2m nur wenige 10 nm betragen. Um zu begreifen, in welche Dimensionen dieses Forschungsvorhaben vorstößt: 50 nm entsprechen einer 1/1000 Haaresbreite!

Stand heute werden Bearbeitungs- und Messmaschinen in ihrer Präzision insbesondere durch die Führungen, auf denen sich die Maschinenkomponenten zueinander bewegen, begrenzt. Diese sogenannten Ablauffehler der Führungen lassen sich technisch kaum noch verringern. Wenn überhaupt, dann nur mit einem technischen und wirtschaftlichen Aufwand, den kein Maschinenkäufer mehr bezahlen kann und will. „Mit Hilfe von Referenzlinealen, deren Geradheit ultrapräzise vermessen werden können, lässt sich die Genauigkeit zukünftiger Bearbeitungs- und Messmaschinen extrem verbessern, ohne kostspielige präzisere Maschinenführungen einzusetzen“, erklärt Karl-Josef Schalz. Am Ende werden bei Präzisionsmaschinen alle Bewegungen von Maschinenkomponenten gegen diese Referenzlineale in Echtzeit vermessen und mittels softwarebasierter Fehlerkompensation korrigiert. Auf diese Art und Weise lassen sich nicht nur Führungsfehler sondern auch Ablauffehler infolge Vibrationen und thermischen Veränderungen innerhalb der Maschinen erfassen und kompensieren.

Das Entwicklungsvorhaben von HAWK und Busch ist ebenso ambitioniert wie zielführend. Davon ließ sich auch die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF) überzeugen, die insbesondere Forschungs-Kooperationen zwischen kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMUs) und Hochschulen fördert. „Wir haben für das zukunftsweisende Forschungsvorhaben einen Förderantrag gestellt. Die Entscheidung der Gutachter für das Projekt fiel innerhalb von nur sechs Wochen, was ebenfalls das Innovationspotenzial unseres Forschungsvorhabens unterstreicht“, freut sich Karl-Josef Schalz.

Das neuartige Verfahren eröffnet also ganz neue technische Möglichkeiten: für die Forschungsarbeit an der Fakultät Naturwissenschaften und Technik der HAWK Göttingen; vor allem aber für die Busch Microsystems Consult GmbH. Bei dem Präzisionsmechanik-Spezialisten kommt es tatsächlich auf jedes Nanometer an – ganz gleich ob es sich um die Fertigung von Präzisionsbauteilen und -systemen handelt oder um komplette Maschinen und Anlagen für die feinmechanische und optische Industrie, für die Automationsindustrie oder den Sondermaschinenbau. Den Nachweis, dass die Kooperationspartner in der Lage sind, das Entwicklungsvorhaben erfolgreich umzusetzen, haben beide erbracht. Hier begegnen sich zwei Experten auf Augenhöhe – und mit Weitsicht. Auf das Ergebnis darf man gespannt sein.

 

Weitere Informationen:

www.hawk-hhg.de
www.busch-microsystems-consult.de
www.schalz-adaptronic.de



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