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Markus Relecker

Bosch Thermotechnik

Seit 2012 ist Markus Relecker Kaufmännischer Leiter und Standortverantwortlicher von Bosch Thermotechnik in Wetzlar. Im Interview spricht er über Herkunft, gegenwärtige Herausforderungen und Zukunftstechnologien.

W3+: Herr Relecker, der Name Buderus ist seit mehr als 150 Jahren eng mit der Region verbunden. Wie sehr fühlen Sie sich dieser Herkunft heute noch verpflichtet?
Markus Relecker: Mit der Errichtung der Sophienhütte durch Buderus im Jahr 1870 begann die Industrialisierung in der Region. Die in Wetzlar bereits ansässigen optischen Betriebe arbeiteten damals noch auf handwerklicher Basis. Ab 1911 versorgte die Sophienhütte die Stadt mit Strom. Diese gemeinsame Geschichte schweißt natürlich zusammen, und sie ist bis heute im Unternehmen und in der Region spürbar. Daran hat sich auch nichts geändert, als 2004 die Heiztechnik-Aktivitäten von Buderus und Bosch Thermotechnik zusammengelegt wurden. Natürlich stimmt es, was Sie sagen: Wir haben uns deutlich internationalisiert, produzieren in Europa, Asien und Amerika und vertreiben unsere energieeffizienten Lösungen für Heizen, Kühlen, Warmwasser und Großanlagen in mehr als neunzig Ländern weltweit. Unsere Wurzeln waren und sind uns dabei aber immer bewusst.

W3+: Buderus hat sich bereits vor rund 100 Jahren als Systemanbieter für Heiztechnik profiliert. Inzwischen haben sich die Systeme technologisch extrem weiterentwickelt. Welche Entwicklungen waren rückblickend entscheidend?
MR: Die Meilensteine unseres Unternehmens und unserer Traditionsmarken Buderus und Junkers aufzuzählen, würde wahrscheinlich den Rahmen dieses Gesprächs sprengen. Sie reichen zurück bis ins Jahr 1731, als Johann Wilhelm Buderus die ersten gusseisernen Ofenplatten auf den Markt brachte. Junkers präsentierte 1896 den ersten wandhängenden Gasbadeofen. Schon 1913 positionierte sich Buderus als Komplettanbieter für die Errichtung von Zentralheizungen. Allein schon diese wenigen Beispiele zeigen, dass sowohl Buderus als auch Junkers schon früh erkannt haben, worauf es ankommt: auf Innovationskraft und Systemkompetenz.

W3+: Sind das die entscheidenden Zutaten, um als einer der Technologieführer über einen so langen Zeitraum hinweg erfolgreich zu sein?
MR: Ich denke schon. Der Energiesektor hat sich in den vergangenen vierzig Jahren extrem dynamisch entwickelt. Dieser Entwicklung im Bereich der Heiztechnik nicht nur zu folgen sondern sie über Jahrzehnte technologisch an der Spitze voranzutreiben, konnte nur auf der Grundlage einer starken Innovationskraft und Systemkompetenz gelingen. 1983 stellte Buderus auf der Weltleitmesse ISH in Frankfurt den Heizkessel „Logana-Ecomatic-plus“ vor. Die in ihm eingesetzte Brennwerttechnik als konsequente Fortführung der von Buderus entwickelten Niedertemperaturtechnik ist heute noch aktuell. Damals wie heute lautete für uns die alles entscheidende Frage, wie man über möglichst ressourcenschonende und energieeffiziente Systeme Wohngebäude oder Industrieanlagen heizen, kühlen und mit Warmwasser versorgen kann. Und da jedes Gebäude ganz individuell ist, gibt es darauf nicht nur eine Antwort. In unserem Falle sind es ziemlich viele – sie heißen Brennwertkessel, Luft-Wärmekopplung oder Brennstoffzelle, Biomasse, Erdwärme oder Solarthermie. Auf der Grundlage dieser ausgeklügelten Systeme ist es möglich, sogar mehr Energie zu erzeugen als verbraucht wird. Das zeigt beispielsweise das Energie-Plus-Haus in Wetzlar, das Buderus 2011 mit entsprechender Technik ausgestattet hat.

W3+: Innovationskraft und Systemkompetenz wirken in Ihrem Unternehmen also nachhaltig im doppelten Sinne?
MR: So könnte man es formulieren. Der Begriff der Nachhaltigkeit umfasst ja ökologische, soziale und ökonomische Aspekte. Das heißt also, wenn wir Technologien entwickeln, die für die Menschen und die Natur gut sind, dann wirkt sich das – im ökonomischen Sinne – auch positiv auf das Unternehmen und dessen Mitarbeiter aus. Umgekehrt ist es wiederum so, dass die Innovationskraft und Kreativität unserer Mitarbeiter den Erfolg des Unternehmens maßgeblich bestimmt. Ohne sie gäbe es keine Spitzentechnologie. Und ohne Spitzentechnologie keine Nachhaltigkeit.

W3+: 2004 wurden die Heiztechnik-Aktivitäten von Buderus und Bosch Thermotechnik zusammengelegt. Welche Impulse gingen davon aus?
MR: Mit der Zusammenführung zu Bosch Thermotechnik ist der Weltmarktführer bei Heizsystemen für Wohngebäude entstanden. Das Unternehmen mit Sitz in Wetzlar und Wernau bei Stuttgart hat 13.500 Mitarbeiter und Produktionsstandorte in Europa, Amerika und Asien. Im Jahr 2013 haben wir einen Umsatz von 3,12 Milliarden Euro erzielt. Unser Produktportfolio deckt in der Breite und in der Spitze ein großes Spektrum ab: Es reicht von klassischen Heizgeräten und Warmwasserbereitern über Solarthermiesysteme und Wärmepumpen zum Heizen und Kühlen bis zu Systemen für Großgewerbe und die Industrie, wie etwa Großkessel, Blockheizkraftwerke und Anlagen zur Abwärmenutzung in Industrieprozessen. Diese Position der Stärke wollen wir weiter ausbauen und zudem eine führende Position im weltweiten Markt für Warmwasser in Wohngebäuden erreichen. Auch unser bestehendes Geschäft mit Großanlagen, das sich gut entwickelt, wollen wir international deutlich ausweiten.

W3+: Wie gelingt es Ihnen, technologische Kompetenz im Sinne qualifizierter Nachwuchskräfte auch in Zukunft abzusichern?
MR: Bosch ist ein international führendes Technologie- und Dienstleistungsunternehmen, in dem die Mitarbeiter „Technik fürs Leben“ gemeinsam gestalten, um durch innovative und begeisternde Lösungen die Lebensqualität der Menschen zu verbessern und gleichzeitig Umweltressourcen zu schützen. Von dieser positiven Wahrnehmung profitiert auch Bosch Thermotechnik in Mittelhessen. Das erleben wir immer wieder. Trotzdem können wir uns darauf nicht ausruhen, denn wir wissen auch, dass der Wettbewerb um die besten Fachkräfte erst begonnen hat. Was den Nachwuchs in Mittelhessen anbelangt, arbeiten wir sehr eng mit dem dualen Studienprogramm „Studium Plus“ der Technischen Hochschule Mittelhessen zusammen. Das heißt, wir bilden den Nachwuchs selbst aus und versuchen auf diesem Weg hochqualifizierte Fachkräfte an unser Unternehmen zu binden. Darüber hinaus haben wir umfassende Maßnahmen getroffen, um unsere Attraktivität als Arbeitgeber in der Region zu erhöhen. Dazu zählt zum Beispiel die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die für viele junge Menschen perspektivisch sehr wichtig ist. Wir haben rund 100 verschiedene Arbeitszeitmodelle, die flexibles Arbeiten unabhängig von Ort und Zeit ermöglichen. Zudem ist bei uns zum Beispiel die Elternzeit ausdrücklich ein Karrierebaustein. Eine solch flexible und familienbewusste Arbeitskultur hilft dabei, die privaten Belange mit der Karriere in Einklang zu bringen.

W3+: Und wie sieht die technologische Zukunft in der Heiztechnik aus? Werden Sie diese Zukunft von Wetzlar aus mitgestalten?
MR: Der weltweite Energiebedarf hat sich in den vergangenen vierzig Jahren mehr als verdoppelt. Davon entfallen rund 40 Prozent auf Gebäude, 30 Prozent auf die Industrie und weitere 30 Prozent auf den Verkehr. Die Thermotechnik kann im Gebäude- und Industriebereich maßgeblich dazu beitragen, dass wir diese steigende Tendenz im Energiebedarf stoppen und dadurch auch anspruchsvolle Klimaziele erreichen. Das tun wir – von Wetzlar und Wernau aus und im engen Austausch mit anderen zukunftsweisenden Technologiebereichen des Bosch Konzerns. So wird die Einspritzdüse unseres Brennwertkessels Buderus Logano plus GB145 mit einem neuen Ultrakurzpulslaser, den Mitarbeiter von Bosch, Trumpf, der Universität Jena und des Fraunhofer IOF entwickelt haben, bearbeitet. Mithilfe dieser innovativen Methode, die der Bundespräsident 2013 mit dem Deutschen Zukunftspreis ausgezeichnet hat, lässt sich der Kessel stufenlos modulieren und stellt genau die Wärmemenge bereit, die gerade benötigt wird. Im Zusammenwirken mit einer Bosch Lambdasonde, die den Sauerstoffgehalt im Abgas für eine optimale Verbrennung misst, sinkt der Ölverbrauch um bis zu 15 Prozent! Aber es kommt heute und in Zukunft nicht nur auf die richtige Hardware an, sondern ebenso auf eine intelligente Software. Sehr vielversprechend sind hier die sogenannten Smart-Heating-Systeme, die den Heiz- und Energiebedarf optimal steuern. So nutzt etwa unser Nefit Easy Raumcontroller internetbasierte Wetterdaten, um die Innenraumtemperatur zu regeln. Dadurch sind Energieeinsparungen von bis zu 10 Prozent möglich.

W3+: Wird Bosch Thermotechnik in Wetzlar auch künftig ein starker Standort bleiben – auch und gerade als Teil eines internationalen Weltkonzerns?
MR: Ein klares Ja! Seit mehr als 150 Jahren ist Buderus in Wetzlar zu Hause – heute als wichtige Marke von Bosch Thermotechnik. Das wird auch so bleiben, heute und in Zukunft. Ein wesentlicher Grund sind die Kompetenzen und Innovationspotenziale in der Region, wenn es darum geht, qualifizierte Mitarbeiter zu finden oder gemeinsame Projekte mit Partnerunternehmen zu realisieren. In diesem Zusammenhang erhoffen wir uns auch wichtige Impulse von unserer Mitgliedschaft im Industrienetzwerk Wetzlar Network. Zudem haben wir unser Engagement in der Region etwa beim Kindersommer der IHK oder der Landesgartenschau Gießen verstärkt. Unsere Botschaft ist klar: Wir sind hier. Und hier fühlen wir uns zu Hause – auch und gerade als Teil eines internationalen Weltkonzerns.

 

Weitere Informationen:

www.bosch-thermotechnik.de



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