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Alfred Schopf

Leica Camera

Im Interview spricht Alfred Schopf über Herkunft und Zukunft der Leica Camera AG und über seine große Begeisterung für die historischen und brandaktuellen Leica Produkte.

W3+: Wenn Ihnen vor fünf Jahren jemand gesagt hätte, dass Sie hier und heute in einer höchst spektakulären Firmenzentrale in Wetzlar sitzen würden – was hätten Sie damals gedacht?

AS: Die Vision des Leitz Parks und der neuen Firmenzentrale von Leica hatte damals ja bereits Gestalt angenommen. Im ersten Bauabschnitt wurden im Jahr 2009 die Firmengebäude Weller Feintechnik GmbH und ViaOptic GmbH mit CW Sonderoptik errichtet. Dann durchkreuzten leider die Bankenkrise und ihre weltwirtschaftlichen Folgen die weitere Planung und Realisierung des zweiten Bauabschnitts – also des Neubaus für Leica Camera – und die Pläne mussten zunächst einmal auf Eis gelegt werden.


W3+: Die wirtschaftliche Stabilisierung der Leica Camera AG hat dann also etwas später den Ausschlag gegeben, dass gebaut wird?

AS: Richtig. Genaugenommen ging es zu diesem Zeitpunkt sogar um zwei größere Baumaßnahmen: die Erweiterung des Werks in Portugal Ende 2010, ein halbes Jahr später hat dann die Leitz Park GmbH den Neubau der Firmenzentrale in Wetzlar beschlossen.


W3+: Wäre der Umzug nach Wetzlar ohne diesen wirtschaftlichen Erfolg denkbar gewesen?

AS: Ganz sicher nicht. Wir haben von Anfang an die Prämisse verfolgt, dass wir bei der Gestaltung und Realisierung etwas Außergewöhnliches schaffen wollen. Das Unternehmen und die Marke Leica stehen für höchste Präzision und Perfektion – und diese Werte sollte auch die Architektur des Neubaus auf überzeugende Weise repräsentieren. Das gilt nicht nur für die Außenwirkung des Gebäudes sondern genauso für die Innenwirkung. Schließlich erfolgt die Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen und den Produkten auch in hohem Maße über den Arbeitsplatz, an dem sie viele Stunden, Monate und Jahre verbringen.


W3+: Ist der Leitz Park auch identitätsstiftend für die Optik-Stadt Wetzlar?

AS: Da müssten Sie eigentlich Vertreter der Stadt Wetzlar fragen, jedoch habe ich den Eindruck, dass die Stadt Wetzlar die Strahlkraft der Leica Camera AG erkannt hat. Daher freuen wir uns auch sehr über die Unterstützung der Stadt für unsere Initiativen. An dem Punkt, an dem wir heute stehen, sind wir alle sehr glücklich. Der Leica Neubau hat die Identitätsstiftung und Außenwirkung der Optik-Stadt Wetzlar nochmals deutlich verstärkt.


W3+: Der Standort Wetzlar ist emotional und historisch naheliegend. Aber nach Leica hätten sich sicher auch andere Städte und Metropolen die Finger geleckt, oder?

AS: Zu Wetzlar gab es keine Alternative, soviel steht fest. Dafür sprechen zum einen sachliche Gründe, wie etwa die vorhandene Kompetenz in der Region. Die optische, elektronische und feinmechanische Industrie ist hier extrem stark, von diesem Know-how in Verbindung mit einer außergewöhnlichen Innovationskraft profitieren wir als Unternehmen – und umgekehrt wiederum die Industrieregion.

Die ausgeprägte emotionale und historische Bindung, die Sie ansprechen, spielte bei der Standortwahl sicher die entscheidende Rolle. Wetzlar ist der Geburtsort der Leica. Hier, im damaligen Leitz Werk, entwickelte Oskar Barnack 1914 seine „Liliput-Kamera“, die als erste Leica nicht nur die Kameratechnik, sondern auch die Kultur des Fotografierens revolutionierte. Insofern ist der Umzug von Solms nach Wetzlar tatsächlich sehr emotional und historisch begründet. Wir wollten bewusst zurück zu den Wurzeln, ohne uns jedoch zu sehr auf unsere heroische Vergangenheit zu beschränken. Der Umzug nach Wetzlar verbindet sozusagen Herkunft und Zukunft des Unternehmens, und diese innere Verbindung genießt einen sehr hohen Stellenwert - sowohl im Unternehmen als auch bei unseren Kunden und Freunden der Marke Leica.

 

 

W3+: Woran machen Sie das fest?

AS: Die Aufmerksamkeit für den Neubau, der ein deutliches Signal für die Zukunft von Leica setzt, war schon während der Baumaßnahmen sehr groß – und sie nimmt bis heute stetig zu. Zu fast jeder Tages- und Nachtzeit sieht man Menschen, die das Gebäude fotografieren. Die Mitarbeiter und Kunden, die ja erst seit wenigen Wochen hier ein- und ausgehen, werden schon in der Eingangshalle von der Geschichte und Zukunft des Unternehmens empfangen: links die historischen Leica Meilensteine, zur Rechten der Leica Store mit den aktuellen und zukunftsweisenden Leica Produkten. Dieser „Geist“ oder „Spirit“ ist im ganzen Haus zu spüren.

(Alfred Schopf läuft zu seinem Schreibtisch und holt eine Kamera aus der Schublade. Mit leuchtenden Augen kehrt er zurück.)

 

 

W3+: Ist das die Zukunft?

AS: So könnte man es ausdrücken. Zumindest ist es die derzeit wohl zukunftsweisendste Kamera der Welt: die neue Leica T. Eine Systemkamera im APS-Format, die sowohl technologisch als auch optisch Maßstäbe setzt. Sie ist Handschmeichler und Augenschmaus in einem, ihr modernes Design basiert auf einem Aluminiumgehäuse, das aus einem Stück gefräst wird. Die Kamera ist nicht nur leicht und handlich sondern auch ebenso einfach zu handhaben: denn sie verfügt erstmals über einen Touchscreen nach dem Vorbild von Smartphones. Die Bedienung erfolgt intuitiv, auf die ausgefeilte Benutzerführung haben wir jahrelange Entwicklungsarbeit verwendet. Das ist ein wirklicher Meilenstein in der Kameraentwicklung. Besonders stolz sind wir darauf, dass wir die gesamte Optik, Mechanik und Elektronik in Eigenregie entwickelt haben.

Am 24. April haben wir die neue Leica T zeitgleich in Los Angeles, Peking, Paris, London und Berlin vorgestellt. Die Resonanz war überwältigend. Und wer unser jüngstes Kind in der langen Reihe berühmter Ahnen aus der Nähe erleben will, den lade ich herzlich ein, zu uns in den Leitz Park nach Wetzlar zu kommen.

 



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