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Die Quadratur des Kreises

Leica Camera

Der Neubau der Leica Camera AG in Wetzlar ist hinsichtlich ästhetischer Präzision und Perfektion eine Ausnahmeerscheinung. Vom Großen Entwurf bis ins kleinste Detail. Hier ist jede Linie, jede Rundung und jeder Schatten ein Genuss.

Kreisformen treffen auf scharfe Kanten, kubische Baukörper werfen runde Schatten. Beim Rundgang durch den Neubau der Leica Camera AG erkennt man sofort die Liebe zum Detail und ein außergewöhnliches Gespür für Formen und Materialien. Dass man immer wieder an Linsen, Objektive oder Messsucher erinnert wird, ist kein Zufall. Es ist keine „architecture parlante“ im strengen Sinne, aber sie spricht ganz deutlich die Sprache von Leica. „Repräsentativ und gleichzeitig zurückhaltend“ – so beschreibt Architekt Helmut Kleine-Kraneburg das Projekt Leitz-Park. Man könnte auch sagen, es ist ein selbstbewusster Auftritt, der sich nicht zu wichtig nimmt – und der dem Understatement des Unternehmens und der Marke absolut entspricht.

 

Kompromisslose Qualität als Alleinstellungsmerkmal

Dass das gesamte Ensemble des Leitz-Parks kein Bauvorhaben sein würde, das man einfach mal so aus dem Ärmel schüttelt, war schon vor sieben Jahren klar. Damals lud die Leica Camera AG international renommierte Architekten zu einem Ideenwettbewerb ein. Die Aufgabe war ebenso verlockend wie komplex: einen Campus aus mehreren Firmengebäuden am Rande des Wetzlarer Gewerbeparks Spilburg zu erschließen, im Zentrum die neu zu planende Unternehmenszentrale der Leica Camera AG mit angeschlossener Fertigung, Entwicklung, Montage, Laboren; ein Gebäudekomplex, der zugleich Anziehungspunkt für Besucher und Kunden aus aller Welt sein sollte; ein architektonisches „Landmark“-Projekt, wie man neudeutsch sagen würde, aber städtebaulich und topographisch optimal eingebettet in die bestehende Stadtlandschaft. Kurz: ein neues Stadtquartier mit einem auf kompromisslose Qualität setzenden Alleinstellungsmerkmal.

Die zündende Idee mündete in einen großen Entwurf, mit dem das Frankfurter Architekturbüro Gruber + Kleine-Kraneburg den Wettbewerb für sich entschied. Im ersten Bauabschnitt wurden die Firmengebäude der Weller Feintechnik GmbH und ViaOptic GmbH 2009 errichtet. Dann geschah lange Zeit nichts. Zumindest vordergründig. Tatsächlich aber wurden im Hintergrund die Weichen gestellt, um Kopf und Herz dieser großen Idee zu realisieren. Gerüchte, dass Leica Camera tatsächlich den Umzug von Solms nach Wetzlar plane, wurden nach und nach zur Gewissheit. Spätestens mit dem Spatenstich im April 2012 war klar, dass die Vision gebaute Realität werden würde.

 

Bauherren und Architekten begegnen sich auf Augenhöhe

An diesen Moment erinnert sich Architekt Helmut Kleine-Kraneburg nur zu gerne. „Der Leitz-Park war von Anfang an ein Projekt mit viel Herzblut – deshalb haben alle Beteiligten mit Hochdruck daran gearbeitet, dass es nicht beim Entwurf bleibt.“ Das gelte in besonderem Maße auch für die Bauherren, allen voran Dr. Andreas Kaufmann, Haupteigentümer und Aufsichtsratschef der Leica Camera AG, und Art Direktorin Karin Rehn-Kaufmann. Dass Bauherren und Architekten nicht immer an einem Strang ziehen, ist eher die Regel als die Ausnahme, weiß Kleine-Kraneburg aus eigener Erfahrung. Das Projekt Leitz-Park sei in dieser Hinsicht eine absolut erfreuliche Ausnahmeerscheinung gewesen: „Eine schönere Konstellation, als sich mit den Bauherren hinsichtlich Qualität, Ästhetik und architektonischem Anspruch auf Augenhöhe zu begegnen, kann es für einen Architekten kaum geben.“ Ein Anspruch, mit dem Dr. Andreas Kaufmann und Karin Rehn-Kaufmann aus persönlicher Überzeugung der Marke Leica in nichts nachstehen.

Genau diesen Eindruck vermittelt der Neubau der Leica Camera jetzt, da er fertiggestellt ist. Perfekt gestaltet und präzise ausformuliert bis ins kleinste Detail, fügt er sich ideal in die Landschaft. Anders als in üblichen Gewerbegebieten bildet der Campus ein prägnantes städtebauliches Gefüge. Bereits auf dem Vorplatz und der geschwungenen Treppenanlage wird man als Besucher auf die kreisförmige Fassade der Unternehmenszentrale eingestimmt. Ein leichtes, pavillonartiges Kaffeehaus schließt den Platz im Westen ab. Gegenüber wird man zwischen zwei zylindrischen Baukörpern zum Haupteingang geführt. Im Inneren wiederum setzen sich die Kreissegmente fort, avancieren vor dem geistigen Auge zu Messsuchern, Linsen oder Objektivringen. Die Idee, dass „die Architektur dem Ort verpflichtet“ sei, wie es Helmut Kleine-Kraneburg formuliert, gewinnt hier ihre eigentliche Bedeutung: Sie ist eben nicht nur rhetorisch gemeint sondern nimmt den Bezug zum Ort durchaus ernst.

 

Klare Formsprache, hochwertige Materialität, präzise Verarbeitung

Das gilt auch für die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der High-End-Produkte, für den die neue Unternehmenszentrale der Leica Camera AG in Wetzlar steht. Das Gebäude gibt nicht vor etwas zu sein, was es nicht ist. Kein Detail ist zu viel, stattdessen überzeugt die Architektur durch eine klare Formsprache, hochwertige Materialität und präzise Verarbeitung. Dabei wechselt die Fassadentypologie zwischen den öffentlichen und Verwaltungsgebäuden auf der einen Seite sowie den Produktionshallen auf der anderen. Im Inneren wird dieser Übergang durch geometrische Schnitte und Durchblicke zwischen Kundenforum und Montage akzentuiert.

Architektonisch interessant ist das Gebäude insbesondere an diesen Schnittstellen. Die klare, teilweise bis zur Abstraktion reichende Formsprache der Moderne ist den Architekten mehr als vertraut. Auf einer puristischen Rhetorik zu beharren, die sich ausschließlich auf sich selbst bezieht und auf sonst nichts, ist ihnen hingegen fremd. Die berühmte Maxime der modernen Architektur, wonach die Form der Funktion folgt, ist hier kein betriebsblindes Glaubensbekenntnis sondern sie wurde auf unterschiedliche Weise – je nach Funktion und Kontext der jeweiligen Gebäudebereiche – umgesetzt. Das spürt man auf dem Vorplatz genauso wie im Kundenforum oder in den Fertigungshallen. So komplex also die Bauaufgabe gewesen sein mag, Gruber + Kleine-Kraneburg haben sie ebenso sensibel wie sinnvoll gelöst.

Mit einer Grundrissfläche von rund 27.000 m2 beherbergt der Gebäudekomplex die Produktion, Verwaltung und den Customer Service. Energietechnisch wird das Gebäude von zwei Blockheizkraftwerken, einer geothermischen Anlage zur Heizung und Kühlung und einer Fotovoltaikanlage auf der Dachfläche versorgt. Die neue Produktionshalle verfügt über modernste Fertigungsanlagen – auch das wird nicht verheimlicht: Die Südfassade ist im Erdgeschoss komplett verglast, durch dahinterliegende Fensteröffnungen blickt man in die Fertigung.

 

Architektur fördert Inspiration und Identifikation

Wo Leica drauf steht, muss auch Leica drin sein. Das gilt für die High-end-Produkte genauso wie für die Architektur der Unternehmenszentrale. Der öffentliche Bereich mit Kundenforum, Restaurant, Ausstellung, den Meilensteinen der Produktgeschichte und dem integrierten Leica Store löst diese Botschaft – zumindest aus der Sicht des Außenstehenden – geradezu vorbildlich ein. Aber man kann sich ebenso gut vorstellen, dass auch die Mitarbeiter ihr neues architektonisches Umfeld als Inspiration erleben. Schon im Vorfeld der offiziellen Eröffnung zeichnete sich jedenfalls ab, dass die markante Architektur am Leitz-Park ein Ziel bereits erreicht hat: Sie stärkt die Identifikation mit der Marke und dem Unternehmen Leica – innen wie außen, in der Region Wetzlar und weit darüber hinaus.

 

Daten und Fakten:

Neubau Leica Camera AG
Bauherr: Leitz-Park GmbH
Architekten: Gruber + Kleine-Kraneburg Architekten
Grundrissfläche: 27.000 m2
Hauptnutzfläche: 20.000 m2
Baubeginn: April 2012
Eröffnung: Mai 2014

Besucherinformation:

Leica Camera AG
Am Leitz-Park 5
35578 Wetzlar
Tel. 06441 2080-0
www.leica-camera.com

 



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