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Enormes Potenzial

André Noack

Viele Firmen in der Region können sich zu Recht auf ihre langjährige Erfahrung berufen. Darauf ausruhen können sie sich nicht. André Noack erklärt, warum ein zielgerichtetes Technologie- und Innovationsmanagement gerade für kleine und mittelständische Unternehmen unverzichtbar ist.

Aus Erfahrung gut. Dieser Wahlspruch, den man noch heute mit einem der weltweit größten Elektrokonzerne in Verbindung bringt, ist ein Versprechen, das sich traditionsreiche Firmen gerne auf die Fahnen schreiben. Und auch viele kleine und mittelständische Unternehmen, deren Erfolgsgeschichte auf langjähriger Erfahrung beruht. Eine Erfolgsgarantie ist damit jedoch nicht automatisch verbunden. Denn angesichts immer schneller werdender Technologiezyklen muss man dieses Versprechen heute jeden Tag aufs Neue einlösen. Neben der Erfahrung ist also Innovationsfähigkeit gefragt. Die aber stellt sich nur dann ein, wenn man aus den Erfahrungen die richtigen Schlüsse zieht, um sie für aktuelle oder künftige Aufgaben fruchtbar zu machen.

Kompetenzen bündeln

Wollte man André Noacks Kompetenzprofil beschreiben, dann könnte es so oder so ähnlich aussehen. Sein Wissen beruht auf langjähriger Erfahrung in der optischen Industrie. Der gelernte Fernmeldeelektroniker studierte in Mainz und Darmstadt Physik mit Schwerpunkt Optik. Danach arbeitet er am Institut für Mikrotechnik (IMM) in Mainz. Kurz nach der Jahrtausendwende baut er das Kompetenznetz für Optische Technologien Optence auf und wird sein erster Geschäftsführer. „Die Idee, Kompetenzen zu bündeln und eine Brücke zwischen Unternehmen, Verbänden und Hochschulen zu schlagen, hat mich damals wie heute fasziniert“, so Noack. Nach zwei Jahren bei Swarovski Optik im österreichischen Absam kehrt er Anfang 2013 wieder nach Hessen zurück.

Aus der Idee, Kompetenzen zu bündeln, ist inzwischen eine Geschäftsidee geworden. Als Berater kleiner und mittelständischer Unternehmen (KMUs) gibt André Noack sein Wissen weiter. Vor allem aber weiß er, wie er aus seinem reichhaltigen Erfahrungsschatz die richtigen Schlüsse zieht, um sie für seine Kunden fruchtbar zu machen. „Ich habe die vielen Facetten der Optik aus verschiedenen Perspektiven kennengelernt, insbesondere in der Industrie und an den Hochschulen. Dabei ist mir klar geworden, dass die Industrie die Forschung braucht und die Forschung die Industrie, beide Bereiche aber eine andere Sprache sprechen“, erklärt Noack. An dieser Stelle versucht er gemeinsame Projekte und Ziele zu definieren und zwischen möglichen Partnern zu vermitteln.

Technologie- und Innovationsmanagement

André Noack kennt die Industrieregion Wetzlar seit über zehn Jahren. Vor allem kennt er die Anforderungsprofile kleiner und mittelständischer Unternehmen sehr genau. Und deren Zielkonflikte. Im Gegensatz zu Großunternehmen können sich die wenigsten KMUs eine eigene Forschung und Entwicklung leisten. Umgekehrt sehen sie sich als Hersteller oder Lieferant optischer Bauteile und Systeme einem ständigen Wettbewerb um Innovationen ausgesetzt. Ausgehend von dem Profil und Produktportfolio des jeweiligen Unternehmens analysiert André Noack Entwicklungspotenziale. Er bewertet den Markt und die Inhouse-Kompetenzen, um daraus neue technologische Möglichkeiten, Geschäftsfelder und Vertriebswege zu entwickeln.

Dass gerade kleine und mittelständische Unternehmen in der optischen Industrie ein enormes Entwicklungspotenzial mitbringen, steht für André Noack außer Frage. Insbesondere in den Geschäftsfeldern Displaytechnik, Bildverarbeitung, Freiform- und Diffraktive Optik, OLEDs sowie Lasermaterialbearbeitung sieht er enorme Wachstumschancen. „Viele KMUs hier in der Region bringen das dafür notwendige Knowhow mit, schrecken aber vor den Investitionen zurück, die mit entsprechenden Entwicklungsprojekten verbunden sind. Auch hier schafft André Noack Abhilfe: Im Bereich Technologie- und Innovationsmanagement nimmt er Kontakt auf zu möglichen Forschungspartnern und Fördereinrichtungen, bis hin zu Investoren, die das nötige Venture Kapital einbringen.

Kooperationen zwischen Unternehmen und Hochschulen

Besonders wichtig ist für André Noack die Anbahnung von Kooperationen zwischen Unternehmen und Hochschulen bzw. Forschungseinrichtungen. Vor zwei Jahren brachte er zwei Unternehmen und eine Hochschule zusammen, um eine neue Laseroptik für die Materialbearbeitung, Solarzellenfertigung und Medizintechnik zu entwickeln. 2011 wurde das von der TOPAG Lasertechnik GmbH, der GD Optical Competence GmbH und dem Institut für Mikrotechnologien (IMtech) an der Hochschule RheinMain realisierte Projekt DISMAT mit dem Hessischen Kooperationspreis ausgezeichnet.

Natürlich werden solche Kooperationen an ihren Erfolgen gemessen – in diesem Fall: am Innovationsgrad der zu entwickelnden Technologie. Bevor es aber überhaupt so weit kommen kann, müssen die Entwicklungsarbeit selbst und die damit verbundenen Meilensteine definiert werden, und zwar so, dass die Interessen beider Seiten optimal geschützt und gewahrt bleiben. „Gerade bei Kooperationen mit großen und scheinbar übermächtigen Forschungseinrichtungen gibt es unter Mittelständlern eine gewisse Schwellenangst – vor allem, wenn es um urheber- und patentrechtliche Belange und die Ausgestaltung entsprechender Kooperationsverträge geht“, sagt Noack. Forschungs- und Entwicklungsprojekte nicht nur technologisch zu realisieren sondern so zu gestalten, dass die Belange beider Seiten berücksichtigt werden, darin sieht er als Berater eine seiner Hauptaufgaben.

Ideen und Innovationspotenzial

André Noack kennt beide Seiten, Unternehmen und Hochschulen, in- und auswendig. Umso mehr schätzt er die geplante Einrichtung einer Stiftungsprofessur und das Anwenderzentrum für optische Technologien in Wetzlar: „Diese Initiative, die maßgeblich von den Unternehmen der Region ausgeht, zeigt, dass sich Industrie und Forschung aufeinander zu bewegen.“ Als Beisitzer im Wetzlar Network und innerhalb seines weit verzweigten Netzwerks wird er diese Entwicklungen künftig mitgestalten. Dass André Noack aus Erfahrung gut ist, hat sich nicht nur in der Industrieregion Mittelhessen herumgesprochen. Dass man sich darauf nicht ausruhen darf, weiß er. An Ideen und Innovationspotenzial mangelt es ihm jedenfalls nicht. Das ist gut für ihn – und für seine Kunden.

 

Weitere Informationen:

www.notei.de



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