Seite drucken


Holger Fritze

Hexagon Metrology

Ende September 2012 wird die neue Werkshalle der Hexagon Metrology GmbH eröffnet. Hauptgeschäftsführer Holger Fritze erklärt, warum der Neubau nicht nur für Wachstum steht, sondern auch für ein klares Bekenntnis zum Standort.

W3+: Herr Fritze, Sie können den Baufortschritt der neuen Produktionshalle von ihrem Bürofenster aus unmittelbar verfolgen. Läuft bislang alles nach Plan?

HF: Momentan sind wir absolut im Plan, sowohl was den Baufortschritt als auch das Budget anbelangt. Das ist bei einem Bauvorhaben dieser Größenordnung alles andere als selbstverständlich. Schließlich sprechen wir von einer Werkhalle mit 60 Metern Länge und 18 Metern Höhe, in der neben einer hochmodernen Systemmontage auch die Entwicklungsabteilung, die feinmechanische Sensorfertigung und die Verwaltung untergebracht sein werden.

W3+: Die Fertigung hochsensibler Messtechnik braucht optimale Produktionsbedingungen. Wie schaffen Sie in der neuen Halle die Voraussetzungen dafür?

HF: Die Messmaschinen, die wir hier fertigen, haben eine Messgenauigkeit von bis zu 0,3 Mikrometer. Zum Vergleich: ein menschliches Haar hat einen Durchmesser von etwa 60 Mikrometer. Leitz Messetchnik baut hier am Standort das genaueste taktile Messgerät der Welt. Um diese höchste Präzision realisieren zu können, müssen wir in der Produktion insbesondere zwei physikalische Einflussgrößen berücksichtigen beziehungsweise ausschließen: schwankende Raumtemperaturen und Vibrationen. Hier können wir uns keine Toleranzen erlauben. Das gesamte Gebäude wurde auf 150 Pfählen mit 75 Zentimetern Durchmesser und zehn Metern Tiefe gegründet, um jegliche Vibration oder Erschütterung auszuschließen. Zudem haben wir in dem Neubau eine äußerst aufwändige Klimatechnik installiert, die in der Lage ist, auf einer Produktionsfläche von 1.500 Quadratmetern eine konstante Temperatur von 20 º ± 0,1 º Celsius zu gewährleisten. Dabei wird die Raumluft sieben Mal pro Stunde komplett umgewälzt, und zwar ohne einen fühlbaren Luftzug.

W3+: Man muss kein Kaffesatzleser sein, um in dem neuen Firmengebäude ein untrügliches Zeichen für Wachstum zu sehen. Trifft das zu?

HF: Das ist sicher richtig. Unser Unternehmen kann auf sehr gute Jahre zurückblicken, und wir wollen uns auf weiteres Wachstum vorbereiten. Die Erweiterung des Standorts Wetzlar ist auch ein Vertrauensbeweis des weltweiten Hexagon Konzerns gegenüber dem lokalen Management, den Mitarbeitern und nicht zuletzt gegenüber den großen Potenzialen der hier gefertigten Produktlinien. Es zeigt, dass unser Standort gerade im globalen Gefüge der etablierten und wachsenden Märkte eine feste Größe ist und bleiben wird.

W3+: In welchen Marktsegmenten und Anwendungsbereichen sehen Sie für Hexagon Metrology die größten Potenziale?

HF: Die Entwicklung insbesondere in den technologiegetriebenen Industriebereichen zeigt, dass Bauteile und Systeme immer präziser sein müssen. Diese Entwicklung werden wir mit unseren High-Tech-Produkten aktiv mitgestalten. Ganz stark vertreten sind wir im Automotive-Bereich, vor allem im Motorenbau. Unser Partner Hexagon Metrology PTS GmbH hat sich in unmittelbarer Nachbarschaft auf Dienstleistungen, Software- und Systemlösungen für die Koordinatenmesstechnik im Motoren- und Getriebebau spezialisiert. In größerem Maßstab sind wir auch bei der Triebwerkfertigung von MTU und Rolls-Royce involviert, bei der äußerst sensible Bauteile präzise vermessen werden. Als Partner von Red Bull Racing wiederum sorgen unsere Messgeräte dafür, die Formel-1-Boliden von Sebastian Vettel und Mark Webber die eine oder andere hundertstel Sekunde schneller zu machen. Nicht zuletzt spielen unsere Messmaschinen auch bei Zukunftstechnologien eine entscheidende Rolle, wenn es etwa darum geht, Windkraftanlagen technisch optimal auszulegen und in Betrieb zu nehmen.

W3+: Sie haben die steigenden Qualitätsanforderungen angesprochen – umgekehrt wird innerhalb der Produktionsabläufe immer mehr Effizienz verlangt. Wie gehen Sie mit diesem vermeintlichen Widerspruch um?

HF: Ich würde darin nicht zwingend einen Widerspruch sehen. Für uns steht natürlich die Präzisionsmessung an erster Stelle, da können und wollen wir auch keine Abstriche machen. Die Kunden wiederum erwarten höchste Qualität bei möglichst hohem Durchsatz. Wir verbinden beides, indem wir unsere Messmaschinen etwa durch entsprechende Zuführsysteme optimal in die Prozesse des jeweiligen Kunden einbinden.

W3+: Unter dem Dach von Hexagon Metrology firmieren verschiedene Tochterfirmen, darunter auch die in Wetzlar verwurzelte Marke Leitz Messtechnik. Wie stark ist diese Marke und wie wichtig ist sie für das Gesamtunternehmen?

HF: Wir haben unsere Marken und Produktlinien deutlich ausdifferenziert. Die Marke Leitz mit ihrer langen Tradition und High-End-Technologie bildet in diesem Gefüge die Spitze der Pyramide. Und zwar weltweit. Gleichzeitig haben wir zwischen den Marken und Produktlinien Schnittstellen definiert, um bei buchstäblich tragenden Systemkomponenten, wie etwa den Brücken unserer Messmaschinen, Entwicklungskosten zu reduzieren und Synergien gezielt zu nutzen.

W3+: Inwiefern profitiert die Entwicklung und Fertigung von Messtechnik hier in Wetzlar von den Synergien innerhalb der Hexagon Metrology – etwa im Hinblick auf Innovationskraft oder Technologietransfer?

HF: Neben den lokalen Entwicklungsprojekten am Standort Wetzlar stehen wir mit dem konzernweiten Entwicklungsteam in engem Kontakt. Diese Zusammenarbeit ist sehr fruchtbar und bringt uns alle weiter. Vor allem hilft sie uns, das Rad nicht jedesmal neu erfinden zu müssen und stattdessen Technologien auch markenübergreifend zu nutzen.

W3+: Dass Sie hochwertige Messinstrumente und -anlagen in Wetzlar fertigen, ist angesichts der internationalen Ausrichtung von Hexagon Metrology nicht selbstverständlich. Was macht Sie so sicher, dass Sie gerade hier das perfekte Produktionsumfeld haben?

HF: In diesen Tagen genießt Technologie „Made in Germany“ einen hervorragenden Ruf. Das gilt für die bekannten deutschen Premium-Marken im Consumerbereich genauso wie für die herausragende Technologiekompetenz bei Investitionsgütern. Leitz hat in diesem Zusammenhang eine unglaubliche Strahlkraft. In dem Marktumfeld, in dem wir uns bewegen, ist das ein Wettbewerbsvorteil, den wir nicht nur aus Traditionsbewusstsein mit viel Bedacht pflegen, sondern auch aufgrund der hohen Kompetenz, die wir hier in Deutschland und insbesondere in Wetzlar finden. Unsere Spitzentechnologie ist nur so gut, wie die Menschen, die sie erdenken, entwickeln und produzieren. Seit über 30 Jahren setzt der Standort Wetzlar Maßstäbe in der hochgenauen Koordinatenmesstechnik. Diese Know-How-Führerschaft ist einer der entscheidenden Gründe, warum wir hier am Standort Wetzlar investieren.

W3+: Wenn nun Hexagon Metrology mit der neuen Halle die Produktionsfläche um 1.500 Quadratmeter erweitert und damit verdoppelt – heißt das auch, dass hier am Standort neue Arbeitsplätze geschaffen werden?

HF: Wir haben hier in Wetzlar hoch qualifizierte Arbeitskräfte. Nach heutigem Stand sind es rund 300 Mitarbeiter. Wir werden in naher Zukunft sicher weitere Arbeitsplätze schaffen, wenn es die prognostizierte Geschäftsentwicklung erfordert und zulässt. Inzwischen ist es ja so, dass wir als Unternehmen im Wettbewerb um die besten Fachkräfte stehen. Deshalb bilden wir unseren Nachwuchs auch selbst aus, mit guten Chancen auf eine Übernahme nach der Ausbildung.

W3+: Werden Sie die Eröffnung der neuen Produktionshalle gebührend feiern?

HF: Wir werden anlässlich der Eröffnung des Neubaus am 27. und 28. September erstmals ein Expertenforum, das „Metrology Forum Wetzlar“, ausrichten. In diesem Rahmen werden Experten aus Industrie und Wissenschaft Fachvorträge über aktuelle Entwicklungen in der messtechnischen Qualitätssicherung halten. Am Abend des 27. September wird die neue Produktionshalle gemeinsam mit Gästen aus dem In- und Ausland feierlich eröffnet. Am Nachmittag des zweiten Tages sind unsere Mitarbeiter und deren Familien herzlich eingeladen. Sie alle sollen die Gelegenheit bekommen, hinter die Kulissen zu schauen und darüber zu staunen, was unser Unternehmen bewegt. Darauf freue ich mich schon sehr!

 

Weitere Informationen:

www.hexagonmetrology.de



URL: