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Roland Mandler

OptoTech Optikmaschinen

Roland Mandler gründete vor 25 Jahren sein eigenes Unternehmen. Die Erfolgsgeschichte der OptoTech Optikmaschinen GmbH ist eng mit der Region Wetzlar verknüpft.

W3+: Herr Mandler, was hat Sie vor 25 Jahren dazu bewogen, ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Roland Mandler: Ich wollte möglichst schnell Millionär werden (lacht). Nein, im Ernst. Ich hatte bis dahin als Assistent des Entwicklungsleiters bei der Firma Loh Optikmaschinen gearbeitet und während dieser Zeit Möglichkeiten gesehen, wie man Optikmaschinen gerade im Bereich Verfahrenstechnik technologisch weiterentwickeln kann. Da ich meine Ideen nicht umsetzen konnte, entschloss ich mich, in meiner Garage eine eigene Maschine zu bauen. So entstand ein wirklich zukunftsweisender Prototyp, der sehr schnell in die Fertigung ging.

W3+: Das heißt, Ihre Existenzgründung war für Sie ein zwangsläufiger Schritt?

Roland Mandler: Ich hatte schon früh Kontakte zu den Firmen Leitz und Zeiss und war so in der Lage, die Technologien beider Unternehmen zu verstehen. In diesen Unternehmen war das verfahrenstechnische Know-how extrem fortschrittlich – wurden doch alle Maschinen und Messtechniken im eigenen Haus entwickelt. Da diese Entwicklungsbereiche für die Optikfertigung bei Leica und Zeiss in dieser Form heute nicht mehr vorhanden sind, sah ich es als meine Aufgabe, dies weiterzuführen. Wenn man so will, haben wir einen wichtigen Teil des verfahrenstechnischen Knowhows zusammengeführt und in die Zukunft gerettet.

W3+: Das klingt so, als sei Ihr Unternehmen von Anfang an ziemlich abgesichert gewesen.

Roland Mandler: Nein, die Existenzgründung war natürlich mit den üblichen Risiken und Investitionen verbunden, auch wenn ich mich zunächst auf die Entwicklung und den Vertrieb konzentriert hatte und anfangs – bis 1996 – einen Partner für die Montage der Maschinen hatte. Die Firma Schneider sitzt in Steffenberg und ist mit uns von ursprünglich 15 auf heute 230 Mitarbeiter gewachsen. Das heißt, in Summe entstanden bis heute 370 neue Arbeitsplätze.

W3+: Die Branche ist also hier in der Region gemeinsam gewachsen?

Roland Mandler: So könnte man es beschreiben. Ich sehe unsere Wirtschaftsregion wie ein Biotop, in dem jedes Unternehmen einen wichtigen Beitrag für die gesamte Branche leistet. Wenn Sie hier im übertragenen Sinne eine wichtige Spezies rausnehmen, hat das Konsequenzen für das gesamte Biotop. Aber auch der Wettbewerb spielt eine große Rolle. In unserem Geschäftsbereich etwa gibt es drei Wettbewerber, die zusammen einen Jahresumsatz von rund 200 Millionen Euro erwirtschaften. Diese Unternehmen sitzen alle hier im Umkreis von etwa 30 Kilometern. Das macht unsere Wirtschaftsregion so stark.

W3+: Wie hat sich das Geschäftsfeld der OptoTech in den vergangenen 25 Jahren verändert?

Roland Mandler: Das Geschäftsfeld Optikmaschinen hat sich extrem verändert. Die Aufgaben werden bis heute immer komplexer. Als wir angefangen haben, ging es in erster Linie um maschinelle Automatisierung für die Serienfertigung von bis zu 10.000 optischen Linsen eines Typs pro Jahr. Heute entwickeln und liefern wir Spitzentechnologie auch für kleinste Stückzahlen. Wir haben heute bei der Fertigung von optischen Bauteilen Anforderungen bis zu maximalen Oberflächenabweichungen von 30 Nanometer. Hinzu kommt die fast vollständige Umstellung etwa bei Brillengläsern von Mineralglas auf Kunststoff.

W3+: Die Brillenoptik ist neben der Feinoptik das zweite wichtige Standbein der OptoTech. Wie gewichten Sie die beiden Geschäftsbereiche?

Roland Mandler: Die Gewichtung liegt bei 50:50. Das mag ungewöhnlich erscheinen, da die Brillenfertigung natürlich weltweit das größere Marktvolumen hat. Dennoch ist für uns die Feinoptik ein sehr wichtiges Marktsegment, weil wir hier unsere Entwicklungskompetenz optimal einbringen können. Wir haben zehn Mitarbeiter, die ausschließlich die Verfahrensentwicklung vorantreiben. Das leisten wir uns – und dafür sind wir auch weltweit bekannt.

W3+: Welche technischen Innovationen aus Ihrem Haus waren für Sie und Ihr Unternehmen besonders wichtig?

Roland Mandler: Es gab im Grunde genommen drei Meilensteine: Der erste ist unmittelbar mit der Firmengründung verbunden, nämlich die Entwicklung eines bis dato statischen zu einem dynamisch oszillierenden Polierverfahren. In einem zweiten Schritt haben wir die Abrichttechnik von Poliermaschinen so integriert, dass wir in der Lage waren, mit einem Standardwerkzeug beliebige Radien herzustellen. Diese beiden Verfahren stecken heute in jeder modernen Poliermaschine. Für eine weitere Innovation wurden wir im Jahr 2006 mit dem Hessischen Innovationspreis ausgezeichnet. Dabei handelt es sich um das „Active Fluid Jet Polishing“ – ein Polierverfahren mit extrem niedrigem Betriebsmitteleinsatz und einer erzielbaren Formgenauigkeit von bis zu 25 Nanometer, also 0,025 Mikrometer. Die so bearbeiteten Optiken werden zum Beispiel in der Halbleitertechnologie, aber auch in der Luft- und Raumfahrt eingesetzt.

W3+: Für so spezifische Aufgaben in der Präzisionsoptik brauchen Sie entsprechend hoch qualifizierte Fachkräfte.

Roland Mandler: Das ist richtig. Wir brauchen Mitarbeiter, die einen extrem hohen Grad an Innovationsfähigkeit mitbringen. Diese besondere Qualifikation lässt sich durch gängige Ausbildungsberufe oder Studiengänge nur bedingt erwerben. Auch in Unternehmen, die in erster Linie an Kosteneffizienz und Profit gemessen werden, ist das Umfeld für die Entwicklung von Kreativität oder Begabung oftmals nicht gegeben. Wir versuchen das, indem wir unsere Mitarbeiter von der Ausbildung über viele Jahre hinweg im Betrieb sowie studienbegleitend aufbauen und fördern. Ich selbst bin als Geschäftsführer und Entwicklungsleiter auch sehr nah dran an der Ausbildung unserer Fachkräfte.

W3+: Das ist eine der Stärken eines familiengeführten mittelständischen Unternehmens.

Roland Mandler: Ja. Und diese Stärke hat auch damit zu tun, dass wir bei allen unternehmerischen Entscheidungen wie etwa Ausbildung, Entwicklung, Wachstum oder Konsolidierung langfristig denken und handeln. Für uns zählt nicht das nächste Quartalsergebnis, sondern nachhaltiges Wirtschaften. OptoTech bietet heute das umfangreichste Maschinenprogramm für Optik, das es je in einer Firma gegeben hat. Um diese Marktposition zu erarbeiten, haben wir 25 Jahre gebraucht. Und wir sind fest entschlossen, diese Position in den nächsten 25 Jahren noch weiter auszubauen.

Ralf Christofori

 

Weitere Informationen:

www.optotech.de



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