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Visionary

Throl Optics

Seit 35 Jahren berechnet und entwickelt Manfred Throl optische Systeme und Komponenten. Im Jahr 1996 gründete er in Wetzlar seine eigene Firma. Die Throl Optics GmbH beweist, dass es nicht auf die Größe eines Unternehmens ankommt, sondern auf dessen Alleinstellungsmerkmal.

Das Navi führt den Besucher in die Höhenlage eines Wohngebiets über der Stadt Wetzlar. Man glaubt nicht so recht, dass hier die Firma Throl Optics residieren soll. Dort, wo die Straße mit dem klingenden Namen Deutschherrenberg rechtwinklig abbiegt, meldet die Stimme aus dem Navi: „Sie haben Ihr Ziel erreicht!“ Auch das Klingelschild lügt nicht. Manfred Throl steht schon in der Tür und neben ihm seine Frau Karin Böker-Throl, seit 2000 als zweite Geschäftsführerin der Throl Optics verantwortlich für die Buchhaltung und Verwaltung. Überraschte Besucher, die ihr verstecktes Unternehmen besuchen, sind die beiden gewohnt.

Berechnung komplexer optischer Systeme

Tatsächlich hat Manfred Throl im Erdgeschoss seines Wohnhauses einen Arbeitsbereich eingerichtet, der sich am ehesten als eine Mischung aus Hightech-Werkstatt und Wunderkammer beschreiben ließe. Entlang der Außenwand erstreckt sich ein deckenhohes Schubladenregal, gefüllt mit Büchern, Dokumenten, Linsen und mechanischen Bauteilen. An der gegenüberliegenden Werkbank ist Manfred Throls eigentlicher Arbeitsplatz. Der Bildschirm eines Hochleistungsrechners zeigt 3D-Grafiken und errechnete Daten an, direkt daneben werden die Ergebnisse an realen optischen Versuchsanordnungen vermessen und verifiziert. In diesem Zusammenspiel aus Simulation und Realisation entwickelt Throl komplexe optische Systeme – mit dem Ziel, eine optimale Anordnung von Linsen und Strahlengängen für die jeweilige optische Anwendung zu erreichen.

Alles aus einer Hand

Die Berechnung des optischen Designs beginnt mit Annäherungs- und Erfahrungswerten und wird zwischendurch in realen optischen Versuchsanordnungen immer wieder nachgemessen und verifiziert. Reduziert Throl den Abstand zwischen zwei Linsen oder deren Stärke nur minimal, so verändert sich auch die Abbildungsleistung des Systems. Die Umgebung der optischen Systeme lässt meist nicht viel Platz für Strahlen, deshalb werden diese mehrfach abgelenkt. Wenn das optische Design steht, lässt Throl Optics diese Systeme teilweise auch fertigen. „Bei uns bekommt der Kunde, wenn er möchte, alles aus einer Hand“, so Throl.

Optischer Designs für Medizin- oder Dentaltechnik

So entstehen Spezial-Optiken für Kameras und Sensoren, für Lichtschranken und Beleuchtung, für die Jagd, die Medizintechnik oder die Automobilindustrie. „Die Anwendungsbereiche der Optik haben inzwischen Industrie- und Lebensbereiche erreicht, die vor 35 Jahren noch unvorstellbar waren“, erzählt Manfred Throl. Damals begann er – ganz klassisch – bei dem Kamerahersteller Rollei in Braunschweig. Danach kam er zu Leica nach Wetzlar. In der Domstadt ist er geblieben, aber er wollte seine Kompetenz auf eigenen Beinen weiterentwickeln. Das gelang ihm in verschiedensten Anwendungsbereichen mit hochspezifischen Anforderungen. Allein schon die Berechnung optischer Designs für die Medizin- oder Dentaltechnik übersteigt jegliches Vorstellungsvermögen, wenn man weiß, dass etwa in einem Endoskopsystem 45 winzigen Einzellinsen – darunter auch Stablinsen – so angeordnet sind, dass die kompliziert verwinkelten Strahlengänge am Ende ein perfektes Bild erzeugen.

Innovative Anwendungen

In jüngster Zeit ist eine weitere innovative Anwendung hinzugekommen, mit der Throl Optics sich einen ganz neuen Geschäftsbereich erschlossen hat: Head-Up-Displays für Autos. Bislang vor allem von Premium-Automobilherstellern angeboten, projizieren diese Systeme wichtige Daten wie etwa die Fahrgeschwindigkeit und Navigation an die Windschutzscheibe des Fahrzeugs. Ja, mehr noch: Die Anzeige wird von der Instrumententafel aus so auf die Scheibe projiziert, dass es den Eindruck erweckt, die Anzeige erscheine tatsächlich etwa zwei bis drei Meter vom Fahrer entfernt. Damit hat der Fahrer die wichtigsten Daten immer im Blickfeld und muss nicht einmal den Sehabstand justieren.

Optik für Head-Up-Displays

Dass die Optik bei einem so ausgefeilten System eine zentrale Rolle spielt, liegt auf der Hand. Und bei Manfred Throl ist sie in besten Händen. Verschiedene Automobilhersteller und -zulieferer haben inzwischen bei Manfred Throl angeklopft, um die bestmögliche Optik für Head-Up-Displays zu berechnen und weiterzuentwickeln. Am Bildschirm visualisiert er anhand einer 3D-Grafik das optische Design. Auf die einfache Frage, wie das geht, hat Manfred Throl eine angemessen komplexe Erklärung parat. Deren Bedeutung lässt sich fachlich kaum ermessen – am ehesten vielleicht als visionär beschreiben. So verabschiedet sich der Besucher, lässt sich vom Navi den Deutschherrenberg hinunter leiten und überlegt unweigerlich, ob er sich im nächsten Auto vielleicht doch die Sonderausstattung eines Head-Up-Displays gönnen sollte.

Ralf Christofori

 

Weitere Informationen:

www.throl.de



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