Prof. Dr. Eberhard Schultheiß erklärt die Idee des Pollenmonitors.
Prof. Dr. Eberhard Schultheiß erklärt die Idee des Pollenmonitors.

Wetzlar Network

Eine Polle macht noch keine Allergie

Bei einem Vortragsabend im Viseum Wetzlar erläuterten Dr. Stefani Röseler und Prof. Dr. Eberhard Schultheiß, wie Allergikern geholfen werden kann – medizinisch und technisch.

Die Einen leiden schon seit ihrer Kindheit darunter. Andere erwischt es von einem Jahr auf das nächste. Allergien liegen im Wortsinn in der Luft – oder genauer: Es sind die Pollenallergene, die vor allem im Frühjahr und Sommer kaum sichtbar ihre Wirkung entfalten. Sie besetzen die Schleimhäute und führen zu Niesreizen, im schlimmsten Fall bis zum anaphylaktischen Schock.

Medizinische Diagnosen, Prognosen und Therapien

Woher kommen Pollen-, Staub, oder Nahrungsmittelallergien? Was richten sie an? Und: Wie können wir einigermaßen erträglich mit ihnen leben? Diese Fragen standen im Mittelpunkt eines Vortragsabends des Wetzlar Network am 5. Mai 2011 im Viseum Wetzlar. Dr. Stefani Röseler vom Institut für Hygiene und Umweltmedizin des Universitätsklinikums Aachen referierte über medizinische Diagnosen, Prognosen und Therapien. „Vor nicht allzu langer Zeit hat man Allergien als rein lokales Phänomen betrachtet, aber heute wissen wir, dass Allergien – ganz ähnlich wie Immunkrankheiten – viel umfassendere Ursachen haben,“ erklärte Röseler.

Allergien ganzheitlich betrachtet

Ganzheitlich müsse man deshalb Allergiediagnostik und Therapieformen auslegen – und das gilt nicht nur für den menschlichen Organismus, sondern auch für die sich verändernden Umwelteinflüsse: In den vergangenen zehn Jahren, so Röseler, hätten sich neben längeren Blühzeiten und mehr Pollen auch neue Allergene etabliert. Manche davon seien zudem aggressiver als andere. Dr. Stefani Röseler referierte über die jahreszeitliche Verbreitung von Hasel und Birke, von Zypressen, Gräsern oder Brennnesseln und wies auf Kreuzreaktionen zwischen Pollenallergien und Nahrungsmitteln hin. Darüber hinaus erklärte sie, dass die Polle noch keine Allergie macht – erst im Kontakt mit der Feuchtigkeit der Schleimhäute werde das Allergen wirksam.

Technisches „Warnsystem“ bei Pollenflug

Noch vor dem Kontakt zwischen Polle und Mensch setzt Prof. Dr. Eberhard Schultheiß von der Firma Helmut Hund Wetzlar an. Ihn beschäftigt die Idee, wie man mit einer schnellen und lokal verlässlichen „Pollenvorhersage“ den Betroffenen helfen kann, besser mit den Allergien leben zu können. Die Idee eines technisch ausgereiften „Warnsystems“ verfolgen Schultheiß und die Firma Hund mit Nachdruck – und mit technischer Finesse. Denn der so genannte „Pollenmonitor“ muss vieles können: Er muss vollautomatisch Proben aus der Luft entnehmen und labeln. Er muss die verschiedensten Pollen unter vielen anderen Partikeln in der Luft erkennen und bestimmen – und das bei einer Pollengröße von 10 bis 150 Mikrometer. Schließlich soll er auf der Grundlage der Proben in möglichst kurzen Zyklen schnelle Ergebnisse an die Menschen ausgeben.

Wie kann eine Maschine Pollen erkennen und bestimmen?

„All das kann das von uns entwickelte Gerät“, schwärmte Schultheiß – und er veranschaulichte in seinem Vortrag, wie das gelingt. Der Pollenmonitor ist ein kleines maschinenbauliches Wunderwerk. Die Kernfrage, wie die Maschine Pollen erkennen und bestimmen kann, hat die Firma Hund über eine ausgefeilte optische Technologie gelöst: Die Pollen werden auf einem Gel sozusagen gefangen, im Anschluss wird die Probe mikroskopiert, und zwar scheibchenweise: anhand der Schnittbilder erkennt das System eine charakteristische Morphologie, so dass die Polle schließlich genau erkannt und bestimmt werden kann.

Zusammenarbeit zwischen Medizin und Technik

Faszinierend und viel versprechend ist der Pollenmonitor, daran ließ Prof. Dr. Eberhard Schultheiß’ Vortrag keinen Zweifel. Diese Meinung teilten auch die Gäste des Vortragsabends im Viseum – und auch Dr. Stefani Röseler. Bereits angedacht sei ein gemeinsames Projekt zwischen dem Institut für Hygiene und Umweltmedizin des Universitätsklinikums Aachen und der Firma Hund, in dem der Pollenmonitor eingesetzt würde.

 

 

Pollen, Pilze Staub - Wie Allergien unseren Alltag beeinflussen

5. Mai 2011, 19 Uhr
Viseum Wetzlar

Dr. Stefani Röseler erläutert Pollenallergene aus medizinischer Sicht.
Dr. Stefani Röseler erläutert Pollenallergene aus medizinischer Sicht.