Qualitätsprüfung bei Befort Wetzlar. (Bilder: Maik Scharfscheer & Befort)
Qualitätsprüfung bei Befort Wetzlar. (Bilder: Maik Scharfscheer & Befort)

Befort

Made in Wetzlar

Befort Wetzlar ist ein typisches mittelständisches Unternehmen: erfahren, schnell, innovativ. Für den Anbieter präzisionsoptischer Produkte sind alle drei Faktoren wettbewerbsentscheidend.

Gebannt beobachten Henner Befort-Riedl und Klaus Franck die linearen Bahnen eines Industriescanners für Automatische Optische Inspektion. In 18 Sekunden scannt er eine Leiterplatte. Kurz darauf erscheint das Abbild der Leiterplatte mit seinen rund 3.000 Bauteilen und Lötstellen mikrometergenau auf einem Monitor und gleicht die gescannten Daten mit dem CAD-Plan ab. Kein menschliches Auge könnte diese Qualitätsprüfung innerhalb so kurzer Zeit fehlerlos durchführen. Der Industriescanner von Modus kann das. Im A2-Format. Er liefert ein hoch genaues Bild ohne Verzerrungen. Dank eines einzigartigen optischen Systems, das von Befort Wetzlar stammt.

Ein außergewöhnlich innovativer Partner

Für solche Konstruktions- und Fertigungsleistungen ist Befort Wetzlar bekannt. Eine Linse in dieser Größenordnung zu fertigen, entspricht einer technischen Meisterleistung. Hinzu kommen ein speziell entwickeltes Objektiv und der Spiegelschlitten mit Kamera und gefaltetem Strahlengang, die Befort erfolgreich integriert hat. „Wir haben insgesamt 16 Firmen angefragt und ihnen die Spezifikationen für die spezielle Optik, die wir brauchten, durchgegeben“, erinnert sich Klaus Franck, Geschäftsführer von Modus Hightech electronics GmbH mit Sitz in Willich. „Die meisten Anbieter haben sofort abgewunken. Befort hat sich als einziges Unternehmen der Herausforderung gestellt. Und zwar äußerst erfolgreich.“ Dabei war von Anfang an klar, dass eine Versuchsreihe, bei der man sich in mehreren Schritten der Lösung annähert, viel zu kostenintensiv sein würde. Die Berechnung und Konstruktion der riesigen Zylinderlinse durch die Konstrukteure von Befort hat sofort gestimmt. „Außergewöhnliche und innovative Projekte brauchen eben außergewöhnlich innovative Partner“, erklärt Klaus Franck.

Das Familienunternehmen Befort

Der Partner Befort Wetzlar ist einer der führenden Anbieter präzisionsoptischer Produkte. Das Unternehmen steht für Erfahrung, Kompetenz, Innovationskraft und trägt aus gutem Grund die Familie und den Standort im Namen. Der Urgroßvater von Henner Befort-Riedl hat als Mikrofotograf mit Oskar Barnack bei Leitz in Wetzlar zusammengearbeitet. Der Großvater Ernst Befort war ebenfalls Mikrofotograf bei Leitz, bevor er 1922 sein eigenes Unternehmen gründete, die „Ernst Befort Optische Werkstätten“. Henners Vater Peter Befort hat aus den „Werkstätten“ ein hochmodernes Unternehmen geformt, bei dem – der Fabel vom Hasen und Igel ganz ähnlich – der Innovationsgeist den rasant beschleunigenden Technologiezyklen immer einen Schritt voraus sein sollte. Neben der Fertigung setzte Befort vermehrt auf Entwicklung und Konstruktion, was 2007 zu der Gründung des separaten Unternehmensbereichs Befort Wetzlar Optical Design führte. Heute beschäftigt das Unternehmen an die fünfzig Mitarbeiter, rund 80 Prozent davon sind Facharbeiter, Techniker und Ingenieure.

Kompetenzträger in Wetzlar

„Die Erfolgsgeschichte unserer Firma ist eng mit der Familie verbunden und hat den Standort Wetzlar über Jahrzehnte hinweg entscheidend geprägt“, erklärt Henner Befort-Riedl. „Vieles ist daraus entstanden, die Kompetenz in der optischen, elektronischen und mechanischen Industrie hat sich in Wetzlar kontinuierlich erweitert. Das Schöne ist: Angesichts der Komplexität und Vielfalt in der Optik, gibt es keinen Betrieb, der alles kann. Das hat letztlich dazu geführt, dass viele Kompetenzträger in Wetzlar neue Unternehmen gegründet haben und eigene Wege gegangen sind. Jeder hat seine Nische.“

Optischen Anwendungsbereiche von Befort

Von einer Nische zu sprechen, scheint angesichts der optischen Kompetenz- und Anwendungsbereiche von Befort Wetzlar leicht untertrieben. Immer wieder kommen Anfragen von internationalen Kunden, die aufwändige Maschinen oder Messinstrumente planen, dann aber feststellen müssen, dass die optischen Systeme darin weitaus mehr Aufmerksamkeit und Kompetenz brauchen. Das wird oft unterschätzt. In der Lasertechnik steuert die Optik alles, was dem Laserstrahl seine Richtung gibt, sei es durch Linsen, Spiegel oder Schutzscheiben.

Präzisionsoptik für den Kuhstall

Und Optik kommt mittlerweile in Anwendungsbereichen zum Einsatz, die einem selbst bei längerem Nachdenken nicht einfallen würden: zum Beispiel in Bojen, die im Atlantik die Sonneneinstrahlung messen; oder in Satelliten, die die Wiesen in Norwegen scannen. In Holland, so Befort-Riedl, sei ein Hersteller auf der Suche nach einer speziellen Optik, die den Reifeprozess von Käse kontrolliert und steuert. Ja, das Einsatzgebiet präzisionsoptischer Messtechniken reicht sogar bis in den Kuhstall.

Optischer Lieferant und Dienstleister

Die Anwendungsbereiche, in denen die Technik und Optik von Befort Wetzlar zum Einsatz kommen, sind ebenso komplex wie die technischen Möglichkeiten. Aber das liegt wohl in der Natur der Sache: „Sobald die Optik ins Spiel kommt, wird es undurchsichtig“, lacht Henner Befort-Riedl. Der Sprung vom Kuhstall zur Halbleiterindustrie ist für ihn deshalb nicht ungewöhnlich. Den Bereich der optischen Messmöglichkeiten noch weiter auszubauen, gehört zu den mittelfristigen Zielen des Unternehmens – und zwar nicht nur als Konstrukteur und Fertiger, sondern auch als Dienstleister: Wenn ein Unternehmen einen Prototypen zur Serienreife bringen möchte oder bereits eine fertige Prüf- und Messanlage installiert hat, misst Befort die Bildgüte des optischen Systems – von Auflösungsvermögen und Verzeichnungen über Astigmatismus und Bildfeldwölbung bis zur Oberflächengenauigkeit und Zentrierung.

Optiken mit System – Systeme mit Optik

Seine Kernkompetenz als Entwickler von Optiken mit System und Systemen mit Optik wird Befort Wetzlar aber auch künftig in Projekte einbringen, wo es darum geht, einzigartige Lösungen auszuklügeln und erfolgreich auf den Markt zu bringen. So wie in der Zusammenarbeit mit Modus. Ob sie nicht befürchten, dass solche innovativen Systeme kopiert oder nachgebaut werden? „Nein“, antworten Klaus Franck und Henner Befort-Riedl, „wenn unsere Technologie kopiert wird, ist das für uns in erster Linie eine Anerkennung unserer Pionierleistung.“

Ralf Christofori

 

Weitere Informationen:

www.befort-optic.com

Mechanik und Optik ?made by Befort?.
Mechanik und Optik „made by Befort“.
Ein Laserkopf zur Bearbeitung von Solarzellen.
Ein Laserkopf zur Bearbeitung von Solarzellen.