Das Zeiss Victory HT gilt als das lichtstärkste Premiumfernglas weltweit. (Bilder: Christoph Sagel)
Das Zeiss Victory HT gilt als das lichtstärkste Premiumfernglas weltweit. (Bilder: Christoph Sagel)

Carl Zeiss Sports Optics

Design (R)evolution

1968 kam das Zeiss Dialyt 10x42 auf den Markt und revolutionierte das Fernglasdesign wie kein anderes. Fast fünfundvierzig Jahre später beginnt mit dem Zeiss Victory HT eine neue Zeitrechnung.

Was ein Fernglas aus dem Hause Zeiss und dessen Design auszeichnen muss, weiß Hermann Theisinger sehr genau. Aus seinem Mund spricht der Produktmanager und begeisterte Jäger, der Entwickler und Kunde gleichermaßen. Vor ihm stehen Ferngläser unterschiedlicher Generationen und Referenzklassen in einer Reihe – an deren vorläufigem Ende sein jüngstes Kind: das Zeiss Victory HT.

Wetzlar spielt in der Geschichte Sportoptik eine zentrale Rolle

Hermann Theisinger ist in seinem Element. Wenn er in die Welt der Sportoptik eintaucht, ist er nicht mehr zu halten. Er doziert nicht, sondern begeistert. Seit sechs Jahren ist er Produktmanager bei Carl Zeiss Sports Optics, aber es klingt, als wäre der gebürtige Österreicher schon immer da gewesen. „Ein Gutteil aller bahnbrechenden Optikinnovationen stammt seit jeher aus Wetzlar. Die optische Industrie hat hier über mehr als ein Jahrhundert Technikgeschichte geschrieben“, betont Theisinger, „insofern kann man mit gutem Recht von der insgeheimen Hauptstadt der Optik sprechen.“

Vor allem die Geschichte der Sportoptik wurde am Standort Wetzlar kräftig mitgeschrieben – zunächst unter dem Namen Hensoldt, später unter Carl Zeiss Sports Optics. Das hat sehr viel mit Tradition zu tun, insbesondere aber mit einer Kompetenz, die über Generationen aufgebaut und weitergegeben wurde: „Ganz gleich, ob es um Vergütung, Optikrechnung, Glasbearbeitung oder Feinmechanik geht – es gibt hier in Wetzlar nur eine Handvoll Spezialisten, die über die Jahre hinweg ein Wissen angereichert haben, das man nirgendwo sonst findet“, so Theisinger. Dieser Wissensvorsprung ist entscheidend, wenn es um jene letzten hundertstel Millimeter oder Zehntel Prozent geht, die High-end-Präzisionsoptiken von Zeiss gegenüber Wettbewerbsprodukten abheben.

Das Zeiss Dialyt: Kompromisslosigkeit im High-end-Bereich

Ein Meilenstein in der Geschichte der Sportoptik war zweifelsohne das Zeiss Dialyt. Als Zeiss das revolutionäre Fernglas 1968 im Markt einführte, bestimmte das Porro-System weitgehend die Bauart eines Fernglases: Dabei wurden je zwei zueinander versetzte Porroprismen in jedem der beiden Okulartuben verbaut, die relativ breite Form dieser Ferngläser war also dem spezifischen Aufbau des optischen Systems geschuldet. Das sogenannte Dachkantprismensystem, das auf den Wetzlarer Moritz Hensoldt zurückgeht, erlaubte demgegenüber eine wesentlich kompaktere und schlankere Bauform. Hinsichtlich Güte und Transmission sollten Ernst Abbe und Albert König mit dem nach ihnen benannten Umkehrprisma noch einen Schritt weiter gehen. Dessen Fertigung beherrschten allerdings nur wenige. Zeiss leistete sich diese teure Kompromisslosigkeit – auch und vor allem im High-end-Bereich.

Technisch gesehen, ist das Zeiss Dialyt von 1968 ein Meisterstück. Sein Design machte es zur Ikone. Es hat sozusagen das moderne Fernglasdesign begründet – ein Design, das bis heute über mehrere Generationen hinweg kaum verändert wurde. „Das Dialyt ist sozusagen der Porsche 911 unter den Ferngläsern“, schwärmt Hermann Theisinger, „nicht nur wegen seiner technischen Eigenschaften, sondern auch wegen seiner ikonischen Form. In eingeweihten Kreisen trägt man noch heute das Dialyt um den Hals wie einen Orden.“

Im Fokus: Erhöhung der Gesamttransmission

Während die Bauform des Zeiss Dialyt ein Klassiker geblieben ist, wurde das optische Innenleben über zahlreiche Modellgenerationen hinweg kontinuierlich weiterentwickelt. Dies gilt vor allem für die Transmission oder Lichtdurchlässigkeit, die bereits durch die anfangs eingesetzte reflexmindernde T-Beschichtung auf etwa 70 Prozent durch die komplette Optik hindurch gesteigert werden konnte. Mit der Carl Zeiss T*-Mehrschichtvergütung folgte 1979 ein wahrer Quantensprung: Damit gelang es den Entwicklern, die Gesamttransmission auf über 90 Prozent zu erhöhen. Das erste echte „Nachtglas“ der Geschichte war geboren. Im High-end-Bereich, in dem sich das Zeiss Dialyt über Jahrzehnte bewegt hat, ist es seitdem keinem Wettbewerber gelungen, diesen Wert zu erreichen.

Genauso schwer aber war es für die Spezialisten bei Carl Zeiss Sports Optics, die Transmission in diesen Grenzregionen noch einmal zu übertreffen. Die jüngste Entwicklung des Zeiss Victory HT hatte dieses bislang unerreichte Ziel fest im Lastenheft verankert. Den Türöffner auf dem Weg dorthin bildete ein neuartiger Glastyp, den die Schott AG – ein Schwesterunternehmen in der gemeinsamen Carl Zeiss Stiftung – entwickelt hat. Die neuen optischen Gläser mit dem Label HT (High Transmission) erzielen eine Lichtdurchlässigkeit von nahezu 100 Prozent. Im Zusammenspiel mit den spiegellosen Abbe-König Prismen und der legendären T* Mehrschichtvergütung bilden sie das Herzstück des Zeiss HT-Systems. Das Ergebnis: sagenhafte 95 Prozent Transmission. „Damit ist das Zeiss Victory HT das bei Weitem lichtstärkste Premiumfernglas weltweit“, so Hermann Theisinger.

Design, Ergonomie und Haptik des Victory HT

Innerhalb von gut drei Jahren wurde das Victory HT von der Konzeptphase über die Entwicklung bis zur Serienreife gebracht. Dabei sollte neben den herausragenden Leistungsmerkmalen auch das Fernglasdesign revolutioniert werden, erklärt der Produktmanager: „Natürlich achten die Kunden bei unseren Produkten besonders auf die technischen Daten. Man darf aber nicht vergessen, dass wir es bei der Naturbeobachtung oder Jagd mit sehr kurzen emotionalen Momenten zu tun haben, in denen jeder Handgriff, jede Justierung sitzen muss.“ Entsprechend wichtig ist das Design des Fernglases, seine Bedienung, Ergonomie und Haptik.

Auf den ersten Blick fällt das kompakte Design des Victory HT mit seinen klaren Linien ins Auge. Das ungewöhnlich große Fokussierrad steht weit vorne in der Brücke. Das größere Rad verbunden mit einer langen Übersetzung bewirkt, dass der Beobachter den Schärfepunkt schneller, aber zugleich präziser ansteuern kann. Dank seiner ergonomischen Position liegt der Zeigefinger völlig entspannt auf dem Fokussierrad, der Daumen und die übrigen Finger umgreifen das Fernglas. „Wir haben das Fernglas perfekt in die Hand hinein konstruiert“, erklärt Hermann Theisinger und demonstriert, dass auch die Okulartuben nicht konisch geformt sind, sondern eine Kante haben. Schließlich erzeugt unsere Hand beim Umschließen eines Objektes ebenfalls keine exakt runde Öffnung.

Mit dem Victory HT setzt Zeiss einmal mehr Maßstäbe

Und tatsächlich: Das Fernglas liegt ruhig und gut ausbalanciert in der Hand. Da das Gehäuse und die neuartige Double-Link-Bridge aus Magnesium gefertigt sind, ist das Victory HT 8x42 mit rund 800 g vergleichsweise leicht. Trotzdem hinterlässt es in seiner ausgewogenen Haptik aus Magnesium und Gummierung einen robusten Eindruck. Dass man dieses Fernglas fast schon intuitiv bedient, zeigt, wie viele sinnvolle Gedanken in dieses Konzept eingeflossen sein müssen.

Früher sei alles einfacher gewesen, so hört man immer wieder. Beim Zeiss Victory HT scheint es den Entscheidungsträgern vor allem darauf angekommen zu sein, die hochkomplexen Anforderungen an ein Ausnahmefernglas so einfach wie möglich erscheinen zu lassen. Das Ergebnis überzeugt. Weil es in seinem Segment technisch brilliert und weil sein Design ein markantes Zeichen setzt – kurz: weil Zeiss mit dem Victory HT einmal mehr Maßstäbe setzt. Dafür kann sich Hermann Theisinger verständlicherweise begeistern – als Produktmanager und begeisterter Jäger, als Entwickler und Kunde gleichermaßen.

 

Weitere Informationen:

www.zeiss.de/sportsoptics

 

Das Zeiss Dialyt ist seit 1968 sozusagen der Porsche 911 unter den Ferngläsern.
Das Zeiss Dialyt ist seit 1968 sozusagen der Porsche 911 unter den Ferngläsern.