Wetzlar Network

Kommuniqué

Maßnahmen gegen die künstliche Verknappung wichtiger Ressourcen für die optischen Industrien durch die chinesische Regierung.

(Bild: Maik Scharfscheer)
(Bild: Maik Scharfscheer)

Die optische Industrie setzt für die Politur von Linsen und Prismen auf Cerdioxid, ein Oxid des Seltenerd-Metalls Cer. Es bildet die Grundlage für ein Poliermittel, ohne das die Fertigung von High-tech Optiken für Mikroskope, Fotokameras oder Ferngläser undenkbar wäre. Bei der Beschichtung von optischen Bauteilen werden seltene Erden wie Scandium, Lanthan, Neodym oder Ytterbium verwendet.


Die genannten seltenen Erden sind also ein wichtiger Rohstoff für die Fertigung von Präzisionsoptiken. Deren Beschaffung wird jedoch im Zuge einer künstlichen Verknappung durch die chinesische Regierung zunehmend erschwert. So sind insbesondere die in der optischen Industrie benötigten Poliermittel auf der Basis von Oxiden preislich ins Unermessliche gestiegen. Wurde Anfang September für 100 kg noch 1.600 Euro bezahlt, so sind es zum jetzigen Zeitpunkt bereits über 6.000 Euro. Das entspricht einer Teuerungsrate von 375 % in nur sechs Wochen – zusätzlich verstärkt durch die künstliche Unterbewertung der chinesischen Währung gegenüber dem US-Dollar und Euro. Die Verknappung der seltenen Erden hat zudem dazu geführt, dass keine festen Lieferzeiten mehr möglich sind.

 

Angesichts dieser alarmierenden Entwicklung sind die Folgen für die deutsche optische Industrie und den Lasermaschinenbau unabsehbar. Ihre Wettbewerbsfähigkeit wird durch die restriktive chinesische Wirtschaftspolitik massiv eingeschränkt. Der gegenwärtige Aufschwung nach den spürbaren Auswirkungen der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise kommt zum Erliegen und gefährdet die Zukunft der ganzen Branche. Für die Region Wetzlar, die zu den weltweit wichtigsten Zentren der optischen Industrie gehört, hat diese Entwicklung außerordentliche volkswirtschaftliche Konsequenzen.


Aufgrund dessen ist es unabdingbar, dass die Bundesregierung auf politischer Ebene eingreift und durch Verhandlungen mit der chinesischen Regierung eine Lösung herbeiführt. Dies betrifft zum einen die Verknappung wichtiger Rohstoffe für die optischen Industrien durch die chinesische Regierung, zum anderen die künstliche Unterbewertung der chinesischen Währung. Der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) Dominique Strauss-Kahn hat vor wenigen Tagen die chinesische Währungspolitik verurteilt und eine „systemweite Stabilitätsinitiative“ gefordert. Diese Stabilität in und zwischen den globalen Märkten ist für den High-tech Standort Deutschland von größter Bedeutung. Gegenwärtig und langfristig. Denn nur so kann es der deutschen optischen Industrie gelingen, durch ihre Qualität und Leistungsressourcen im internationalen Wettbewerb weiterhin erfolgreich zu sein.

Wetzlar, 18. Oktober 2010

 

gez. Die Mitglieder des Wetzlar Network