Hochspezialisierte Fertigung von Elektronikbauteilen bei Appel Elektronik. (Bilder: Christian Plaum)
Hochspezialisierte Fertigung von Elektronikbauteilen bei Appel Elektronik. (Bilder: Christian Plaum)

Appel Elektronik GmbH

E hoch 3 MS

Moderne Technologien erfordern eine immer höhere Integrationstiefe auf kleinstem Raum. Die Appel Elektronik GmbH aus Heuchelheim entwickelt und fertigt extrem miniaturisierte Elektronik-Baugruppen für verschiedenste Anwendungen.

In den historischen Backsteingebäuden auf dem Areal einer ehemaligen Zigarrenfabrik in Heuchelheim, wo MINOX über fünfzig Jahre lang seine Miniaturkameras baute, entwickelt und fertigt Appel Elektronik seit 1998 noch winzigere Produkte. Bei einem Rundgang durch die Firma erzählen Klaus Appel und Katja Volkmann, wie alles begann und über die Jahre organisch gewachsen ist.

Ein neues Verständnis von Raum und Zeit

Im Empfangsbereich von Appel Elektronik prangt die Formel E3MS an der Wand. Nicht zufällig erinnert sie an Einsteins berühmte Berechnung zur Relativitätstheorie, die bekanntlich zu einem neuen Verständnis von Raum und Zeit führte. Wie es den Entwicklern von Appel Elektronik gelingt, miniaturisierte Elektronik-Baugruppen mit bis zu 70 Bauteilen auf einem Quadratzentimeter unterzubringen, lässt das Verständnis von Raum tatsächlich auf beeindruckende Weise relativ erscheinen. Dasselbe gilt für die Zeitrechnung im Unternehmen: 15 Jahre sind nichts. Und doch werden in der Elektronikbranche in 15 Jahren nicht selten gleich mehrere Generationen durchgereicht. Die Appel Elektronik GmbH jedenfalls hat seit ihrer Gründung im Jahr 1998 bereits eine ganze Menge technologische Innovationen auf den Weg gebracht.

„Was die Fertigung von miniaturisierter Elektronik anbelangt, haben wir einen Marktvorsprung von etwa drei bis vier Jahren“, schätzt Klaus Appel. Die Einschätzung des Geschäftsführers klingt selbstbewusst, aber sie gründet auf einem Wissensvorsprung den er sich bereits angeeignet hatte, bevor er Unternehmer wurde. Mit 16 wollte er noch Landwirt werden, entschied sich aber für eine Ausbildung zum Informationselektroniker bei der Firma Lenz Elektronik in Allendorf. Dort erlernt er das Handwerk. Später studiert er Elektrotechnik, um sein praktisches Wissen weiter auszubauen.

Auf dem Weg zum hochspezialisierten Elektronikhersteller

Sein Studium finanziert Klaus Appel, indem er sich einen Gewerbeschein holt und weiterhin als Selbständiger für die Firma Lenz arbeitet. Er spezialisiert sich auf Baugruppenreparatur für die Modelleisenbahnelektronik. „1995 erhielt ich dann die Anfrage von dem italienischen Hersteller Rivarossi, ob ich mir zutraue, die digitale Steuerung für deren Modelleisenbahn zu entwickeln. Dieser Großauftrag über einen Zeitraum von zwei Jahren eröffnete mir ganz neue Möglichkeiten“, erinnert sich Klaus Appel. Er mietet erstmals Werkstatträume an. Als die Entwicklung der digitalen Steuerung abgeschlossen ist, folgt die Beauftragung von Rivarossi, die Baugruppen auch zu fertigen. So kommt schließlich eins zum anderen.

Die grundlegende Geschäftsidee, die den Unternehmergeist von Klaus Appel beflügelt, erscheint ebenso simpel wie logisch: „Die Naturgesetze der Physik gelten in allen Branchen, das heißt, wenn es gelingt, kleinste Steuergeräte und Antriebe in Modelleisenbahnen unterzubringen, dann muss das auch in anderen Anwendungen möglich sein.“ Mit dieser Idee erschließt Appel neue Anwendungsbereiche und realisiert innovative Lösungen etwa für elektronisch gesteuerte Jalousienantriebe, für das elektronische Öffnen und Schließen von Cabrioverdecken oder die elektronische Tischhöhenverstellung.

Vom Entwicklungsauftrag zur Fertigung

Als Klaus Appel gemeinsam mit seiner Frau Katja Volkmann schließlich 1998 die Appel Elektronik GmbH gründet, haben sie einen Mitarbeiter. Das Unternehmen wächst, die Einnahmen aus den Projekten werden in neue Projekte investiert. In vielen Fällen geht aus Entwicklungsaufträgen auch die Fertigung der entsprechenden Baugruppen hervor – so auch im Falle von Carl Zeiss Sports Optics. „Zeiss hatte einen Lieferanten aus der Region gesucht, der in der Lage ist, anspruchsvolle Elektronik samt Software zu entwickeln und zu fertigen“, erzählt Katja Volkmann. „Heute ist Zeiss einer unserer wichtigsten Kunden.“

Im Jahr 2001 übernimmt Appel Elektronik einen Großteil der Produktionsmitarbeiter sowie die Ausstattung der SMD-Fertigung der Firma Lenz und integriert die Elektronikproduktion vollständig im eigenen Haus. Im selben Jahr tritt das Unternehmen dem Fachverband Elektronikdesign (FED) bei – eine wichtige Plattform, dessen Regionalgruppe Darmstadt Klaus Appel und Katja Volkmann leiten. Für die beiden ist dieser Austausch zu Fachthemen mindestens genauso wichtig wie die Qualifizierung des eigenen Unternehmens, das 2002 nach ISO 9001 zertifiziert wird.

SMD Fertigungslinie mit Lötpastendruck in Inkjet-Technologie

Die Eröffnung des auf Mikrocontroller spezialisierten Programmiercenters im Jahr 2009 wird vom großen Börsencrash überschattet, der auch die Zulieferbetriebe in der Elektronikbranche mit voller Wucht trifft. Dessen ungeachtet investiert Appel Elektronik noch im selben Jahr in eine neue SMD Fertigungslinie mit Lötpastendruck in Inkjet-Technologie. Damit können hochkomplexe elektronische Bauteile in kleiner und großer Stückzahl bei hoher Qualität und kurzen Durchlaufzeiten gefertigt werden – von der Bestückung bis zum Endprodukt.

Diese SMD Fertigungslinie hilft nicht nur dabei, die Krise zu überwinden, sondern trägt maßgeblich zum Marktvorsprung von Appel Elektronik bei. Und sie ist ein zentraler Baustein in der Unternehmensphilosophie des Mittelständlers aus Heuchelheim, der auf seine ureigenen Qualitäten setzt: auf hohe Flexibilität, wertvolle Synergien zwischen Entwicklung, Fertigung und Programmierservice sowie Kostenoptimierung durch eigene Fertigungsprozessentwicklung. In dieser Kombination sieht Katja Volkmann einen klaren Wettbewerbsvorteil: „Wir können schnell, flexibel und zielgerichtet auf die Anforderungen unserer Kunden reagieren – ganz gleich, ob es sich um elektronische Bauteile für Präzisionsoptiken oder Steuerungen für Industrieelektronik handelt.“

Hohe Dienstleistungs- und Fertigungstiefe

Neben der High-end SMD Fertigungslinie leistet sich Appel Elektronik ein Lager mit über 10.000 Artikeln, um möglichst schnell und flexibel agieren zu können. Im hauseigenen Testgerätebau werden kundenspezifische Funktions- und In-Circuit-Tests entwickelt und ausgeführt. Die Entwicklung von Hard- und Software, von Mikrocontrollern sowie Mess-, Steuer- und Regelungstechnik, von Baugruppen für drahtlose Kommunikation oder LED-Technik basiert bei Appel Elektronik auf einer extrem hohen Dienstleistungs- und Fertigungstiefe.

Für diese herausragende Fertigungskompetenz wird Appel Elektronik 2011 vom Fachverband FED, dem ZVEI-Fachverband und der Fachzeitschrift Elektronik Praxis mit dem E2MS Award ausgezeichnet. Der Award ehrt Auftragsproduzenten von elektronischen Baugruppen und Systemen und gilt als eine der begehrtesten Auszeichnungen der Elektronikbranche.

Die Formel E2MS, die für Electronic Engineering & Manufacturing Service steht, haben Klaus Appel und Katja Volkmann kurzerhand um ein weiteres E ergänzt. Und so verraten Sie abschließend doch noch, was es mit der Formel E3MS wirklich auf sich hat: „Das dritte E haben wir hinzugefügt, weil uns der Kulturkreis Europa sehr wichtig ist. Lange Zeit wurde der Eindruck erweckt, als sei die Elektronik und mit ihr das Electronic Engineering eine Domäne asiatischer Industrieländer. Wir sind hingegen der Meinung, dass wir hier in Deutschland alle Voraussetzungen haben, um heute und in Zukunft Elektronik unter wettbewerbsfähigen Bedingungen zu entwickeln und zu produzieren.“ Die Erfolgsgeschichte von Appel Elektronik aus Heuchelheim liefert dafür den besten Beweis.

 

Weitere Informationen:

www.appel-gmbh.de

 

SMD-Fertigungslinie bei Appel Elektronik.
SMD-Fertigungslinie bei Appel Elektronik.
Elektronikdesign auf kleinstem Raum.
Elektronikdesign auf kleinstem Raum.
Katja Volkmann und Klaus Appel.
Katja Volkmann und Klaus Appel.