Leica heute und vor hundert Jahren: die neue Leica T und die UR-Leica. (Produktbilder: Leica Camera)
Leica heute und vor hundert Jahren: die neue Leica T und die UR-Leica. (Produktbilder: Leica Camera)

Leica Camera

Klasse statt Masse

Die Welt ist voller Ablenkungsmanöver. Die Gelegenheiten, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, sind selten geworden. Eine Begegnung mit der neuen Leica T ändert das schlagartig.

Die photokina gilt als Stimmungsbarometer der Fotobranche. „Eine glänzend ungewisse Zukunft“ titelte die Frankfurter Allgemeine Zeitung im Nachgang der diesjährigen Leitmesse. „Neuvorstellungen gab es mehr als genug, um den technischen Fortschritt mit ungebrochenem Optimismus zu bejubeln“, so Hans-Heinrich Pardey. Trotzdem sei eine gewisse Ungewissheit spürbar angesichts der Tatsache, dass zwar geschätzte 500 Millionen Fotos täglich überall auf der Welt geschossen würden, die wenigsten aber mit Fotokameras. Eine überwältigende Mehrheit gibt sich also offensichtlich mit Smartphone-Fotos zufrieden, um sich und ihre Umwelt ins Bild zu setzen. Ob sich die Fotobranche aber mit dieser Mehrheitsmeinung anfreunden oder gar abfinden muss, dass das Fotografieren als Lebensform eher am Leben als an der Form interessiert zu sein scheint, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Konzentration auf das Wesentliche

Der Auftritt von Leica auf der diesjährigen photokina jedenfalls hatte das Zeug, dieses Blatt mit jeder Menge Gegenargumenten zu füllen. Gemeinsam sind sie kaum zu schlagen, wenn es darum geht, dem Argument „Masse statt Klasse“ den Wind aus den Segeln zu nehmen. Und gemeinsam folgen sie der Maxime „Konzentration auf das Wesentliche“, der vor hundert Jahren bereits Oskar Barnack gefolgt ist. „Das Wesentliche bestand für Barnack darin, ein fotografisches System zu entwickeln, das handlich und einfach zu bedienen war, technisch und optisch höchste Anforderungen erfüllte und damit herausragende Bildergebnisse liefern sollte. Dafür stehen die ersten Leicas von Barnack und die Objektive von Max Berek. Und wenn man sich unsere aktuellen Produkte ganz genau anschaut, dann wird man diesen Ansatz auch heute noch wiederfinden“, erklärt Entwicklungsleiter Oliver Giesenberg.

In der Tat lohnt es sich, ganz genau hin- und hineinzuschauen – zum Beispiel bei der neuen Leica T. Alles an dieser komplett neu entwickelten Systemkamera ist wesentlich, nichts überflüssig. Dabei haben die Produktentwickler hinsichtlich Design, Technologie und Optik wirklich nichts dem Zufall überlassen. Allein schon das Kameragehäuse ist ein Augen- und Handschmeichler, gefräst aus eloxiertem Aluminium und von Hand feingeschliffen. Die Rückwand ist fast komplett ausgespart, um für den Touchscreen möglichst viel Platz zu schaffen. Auf dem 3,7 Zoll-TFT-LCD Monitor lassen sich nicht nur per Fingerwischen die Aufnahmen anschauen, hier werden auch alle wichtigen Einstellungen vorgenommen. Die Menüführung lässt sich individuell priorisieren, die Bedienung erfolgt intuitiv – zumindest für alle, die in der Lage sind, ein Smartphone zu bedienen. Und das sind erfahrungsgemäß inzwischen sehr viele (siehe oben).

Ideale Konstellation aus Sensor, Software und Optik

Auch hier folgt die Leica T der Philosophie, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: „Was sind die essenziellen Gestaltungsmerkmale beim Fotografieren? – Ich muss das Motiv scharf stellen, ich muss die ISO einstellen können, die Belichtungszeit und natürlich die Blende, die heute ein hauptsächlich bildgestalterisches Mittel ist. Das sind die wesentlichen Bedienelemente, die ich brauche. Die entsprechenden Daten werden sofort dargestellt. Das heißt, ich weiß immer, was die Leica gerade tut“, erklärt Oliver Giesenberg.

Im Inneren der Kamera stehen für Foto- oder Videoaufnahmen im DNG-, JPG- oder MP4-Format 16 GB interner Speicher zur Verfügung. Der APS-C-CMOS-Sensor liefert eine Auflösung von 16,5 Millionen Pixeln. Dass diese technischen Daten allzu oft mit der Abbildungsleistung gleichgesetzt werden, entspricht für Peter Karbe, den Leiter der Optikentwicklung bei Leica, nur der halben Wahrheit: „Die wirkliche Abbildungsleistung resultiert aus einer möglichst idealen Konstellation aus Sensor, Software und Optik. Bei der Leica T haben wir uns zum Ziel gesetzt, das System optisch so auszulegen, dass man die Möglichkeiten der digitalen Fotografie optimal nutzen kann. Das haben wir erreicht. Und wir können uneingeschränkt sagen: Die Abbildungsleistung im APS-Format lässt in der Nachvergrößerung keinen Nachteil gegenüber dem ursprünglichen Kleinbildformat erkennen.“

Entwicklungsarbeit als „moderner Fünfkampf“

Peter Karbe beschreibt diese enorm anspruchsvolle Entwicklungsarbeit als eine Art „modernen Fünfkampf“, dessen Gesamtergebnis sich aus folgenden Einzelwertungen zusammensetzt: „höchste Abbildungsleistung, Kompaktheit, Autofokus, Robustheit und Fertigbarkeit.“ Dass er die höchste Abbildungsleistung an erster Stelle nennt, ist kein Zufall. Als Optikspezialist weiß er um den herausragenden Ruf, den Objektive von Leica weltweit genießen. Und er weiß auch, dass die damit verbundenen hohen Erwartungen mit jeder Objektivgeneration aufs Neue eingelöst werden müssen.

Neu ist auch der Autofokus in den Objektiven für die Leica T. Und diese Anforderung hat die Entwicklungsarbeit nicht gerade erleichtert. Im Gegenteil: Eine herausragende Optik in einem möglichst kompakten Objektiv unterzubringen und gleichzeitig die Mechatronik für den Autofokus zu integrieren, macht den erwähnten Fünfkampf zum Spiel ohne Grenzen. „Im Ergebnis fokussieren die neuen Objektive nur mit einer Linse und geringem Hub, damit die Fokussierung möglichst schnell erfolgt. Die Linsen sind kleiner in Relation zum Objektivdurchmesser. Der Abbildungsleistung aber tut das keinen Abbruch“, wie Peter Karbe betont. „Sie ist vergleichbar mit den besten M-Objektiven, nur eben im kleineren Format.“

Höchste Abbildungsleistung

Dass sich die Entwicklungsarbeit nicht nur hinsichtlich der technischen Anforderungen und Möglichkeiten verändert hat, sondern ganz grundlegend, weiß Peter Karbe aus eigener Erfahrung: „Früher stand am Anfang einer Kamera- und Objektiventwicklung eine optische Rechnung, heute ist die Elektronik der Technologietreiber, der wiederum neue Ideen und Anpassungen in der Optik erfordert.“ Dabei müssen er und seine Mitarbeiter immer wieder Aus- und Umwege gehen, die höchste Abbildungsleistung aber gibt stets das Ziel vor.

Zur Markteinführung des Kamera-Systems Leica T wurden zwei hochwertige und gleichzeitig kompakte Objektive präsentiert: Das SUMMICRON-T 1:2 / 23 ASPH. (entspricht 35mm Festbrennweite) ist das kleinste APS-Objektiv mit dieser Brennweite und Öffnung; das Allround-Zoomobjektiv VARIO-ELMAR-T 1:3,5-5,6 / 18-56 ASPH. deckt Brennweiten von 28 bis 85 mm ab. Auf der photokina wurde nun der Nachwuchs vorgestellt: das APO-VARIO-ELMAR-T 1:3,5-4,5 / 55-135 mm ASPH., ein Hochleistungs-Telezoomobjektiv, das bis 200 mm Brennweite reicht, und das Weitwinkelzoom SUPER-VARIO-ELMAR-T 1:3,5-4,5 / 11-23 mm ASPH. (entspricht 17 bis 35 Millimeter Brennweite).

Ein Systemgedanke, der sich für die Kunden auszahlt

Damit die noch vergleichsweise kleine T-Familie nicht die Großfamilie aus den Augen verliert, können natürlich alle M-Objektive über einen Adapter an der Leica T verwendet werden. Hier zahlt sich auch für die Kunden aus, dass der Systemgedanke bei Leica schon immer System hatte, und zwar ein über Jahrzehnte unverändertes. „Schon in den ersten Wochen und Monaten, seit die Leica T auf dem Markt ist, hat sich gezeigt, dass viele Kunden zunächst einmal das Kameragehäuse kaufen und ihre M-Objektive weiter nutzen“, sagt Oliver Giesenberg. Was dafür spricht, dass die jüngste Leica durchaus die ebenso fach- wie sachkundige Stammkundschaft anspricht.

Was aber ist mit der Generation der Smartphone-Fotografen? Ist das eine wachsende Mehrheit, die auch Leica früher oder später zu schaffen machen wird? Oliver Giesenberg glaubt daran nicht: „Es ist ja umgekehrt so, dass viele junge Menschen über ihr Smartphone überhaupt erst zur Fotografie kommen. Und es gibt einige, die so stark Gefallen daran finden oder irgendwann das Fotografieren professionalisieren wollen, dass ihnen die Möglichkeiten der integrierten Smartphone-Kameras nicht mehr ausreicht. Mit dem Kamera-System Leica T kann man diesen Schritt machen. Und ich kann allen versichern: Es ist hinsichtlich der Qualität der Fotografie ein ganz großartiger Schritt!“

 

Weitere Informationen:

www.leica-camera.com

 

Alles an der komplett neu entwickelten Systemkamera ist wesentlich, nichts überflüssig.
Alles an der komplett neu entwickelten Systemkamera ist wesentlich, nichts überflüssig.
Die Leica Entwickler Peter Karbe (links) und Oliver Giesenberg. (Bild: Michael Agel)
Die Leica Entwickler Peter Karbe (links) und Oliver Giesenberg. (Bild: Michael Agel)