Der OCULUS Keratograph 5M im Selbsttest. (Bilder: Ralf A. Niggemann)
Der OCULUS Keratograph 5M im Selbsttest. (Bilder: Ralf A. Niggemann)

OCULUS

Auge in Auge

Der neue Keratograph 5M von OCULUS ist ein Multitalent. Für Ophthalmologen und Augenoptiker ist er sozusagen das Smartphone unter den Diagnoseinstrumenten. Damit erleichtert er die Analyse, Diagnostik und Dokumentation in der Praxis erheblich.

Als Brillenträger unterziehe ich mich gerne dem Selbstversuch. Nicht beim Augenoptiker, sondern im Showroom der Zentrale von OCULUS in Wetzlar. Die Experten meines Vertrauens sind auch keine Ophthalmologen, sondern kompetente Mitarbeiter von OCULUS.

„Nehmen Sie doch bitte auf dem Behandlungsstuhl Platz und machen Sie es sich bequem“, sagt Produktmanagerin Nicole Mothes. Das klingt schon mal vertrauenserweckend. Fast lautlos fährt ein Gerät in mein Gesichtsfeld, dessen Form entfernt an einen überdimensionalen Duschkopf erinnert. Auch ohne Brille erkenne ich sofort, dass es hier nicht um Wasser- sondern Lichtstrahlen geht. Das Kinn liegt auf, der Blick ist starr geradeaus gerichtet, mitten hinein in die Kalotte. Ich schaue also direkt in das „Herzstück des Keratograph“, wie mir Nicole Mothes erklärt. Mithilfe der Placido-Ringbeleuchtung sei es möglich, „über Tausende von Messpunkten die Hornhaut des Auges ganzflächig zu erfassen. Im Zentrum der Kalotte sind zudem weiße, blaue und infrarote Dioden angebracht. Dadurch erzielen wir die perfekte Beleuchtung für jede Funktion.“

Schnelle, kontaktlose Untersuchung

Es wird also kompliziert, denke ich, aber alles geht ganz schnell und einfach. Ich soll die Augen möglichst lange offenhalten, dann blinzeln, erst ein Mal, dann zwei Mal kurz hintereinander. Währenddessen werden Ringe auf meine die Hornhaut projiziert, abwechselnd infrarot, blau oder weiß. Ich folge den Anweisungen möglichst genau, nach etwa zwei Minuten ist die kontaktlose Untersuchung vorbei.

Alle Daten sind erfasst, die relevanten Messergebnisse ermittelt. Ich hatte mit Zahlen gerechnet und bekomme Bilder vorgeführt: bunte 3D-Bilder, die wie topographische Landkarten aussehen, dazu digitale Kamerabilder, ja sogar Videosequenzen. So habe ich meine Augen definitiv noch nicht gesehen. Im Gespräch vermittelt mir Nicole Mothes, was man hier wirklich sieht: die Oberflächenbeschaffenheit meiner Hornhaut, die Qualität und Quantität des Tränenfilms, die Tränenfilmdynamik, den Zustand der öligen Lipidschicht, die sogenannten Meibom-Drüsen, deren Dysfunktion eine Hauptursache für trockene Augen ist, nicht zuletzt der Reizzustand der Bindehaut. Auf einem Monitor werden die Ergebnisse der Untersuchung anschaulich dargestellt, mit den jeweils spezifischen Grenzwerten abgeglichen und von der Expertin kommentiert.

Kein vergleichbares Gerät auf dem Markt

Für einen Laien wie mich ist das natürlich höchst faszinierend. Aber auch Nicole Mothes ist von dem Keratograph sichtlich begeistert. „Es gibt kein vergleichbares Gerät auf dem Markt, das so viele Funktionalitäten in dieser kompakten Form vereint.“ Dass der Keratograph 5M so viele Talente ausspielen kann, hat mehrere gute Gründe. Die Kriterien für eine optimale Anpassung von Kontaktlinsen haben sich in den vergangenen Jahren verändert. Als OCULUS 1995 seinen ersten Keratograph präsentierte, bestand dessen originäre Kernfunktion darin, die Hornhautoberfläche zu vermessen. Das System wurde weiterentwickelt, um anhand der Ringstruktur die Hornhaut möglichst großflächig und detailgenau zu erfassen. Mithilfe des Fluobildes konnte zudem die Auflage der Kontaktlinse auf der Hornhaut ausgemessen und gegebenenfalls korrigiert werden.

All das kann der neueste OCULUS Keratograph 5M auch heute noch – nur viel besser. Und er kann noch wesentlich mehr. „Ein entscheidender Faktor bei der Kontaktlinsenanpassung ist der Tränenfilm. Dessen detaillierte und umfassende Analyse ist im Rahmen der Voruntersuchung inzwischen unerlässlich“, betont Produktmanager Kai Mothes. Dabei kommen all jene Spezifikationen ins Spiel, die bei meinem Selbstversuch bereits ermittelt wurden: die Qualität und Quantität des Tränenfilms, die Tränenfilmdynamik, der Zustand der öligen Lipidschicht und der sogenannten Meibom-Drüsen.

Automatischer Abgleich der Ergebnisse mit Grenzwerten

Die Ringstruktur des Keratograph bildet die systemische Grundlage für die genannten Messfunktionen. Die Leuchtfunktion fungiert sozusagen als optische Matrize, die digitale Bildtechnologie als Visualisierungs- und Dokumentationsmedium. Neben diesen Hardwarekomponenten spielt die ausgefeilte Software eine wesentliche Rolle, denn sie „übersetzt“ die Bildinformationen in untersuchungsrelevante Daten und Erkenntnisse. So lässt sich etwa durch die Ringstruktur die Qualität des Tränenfilms ermitteln. Mögliche Aufrisse des Tränenfilms werden per Video aufgezeichnet, während die Software sozusagen in Echtzeit die „neuralgischen“ Zonen markiert. Die Ausmessung der Tränenfilmquantität wiederum, die normalerweise mit dem Spaltlampenmikroskop auf der Grundlage subjektiver Erfahrungswerte erfolgte, ist beim Keratograph 5M mithilfe einer Linealfunktion möglich, das Ergebnis wird automatisch mit Grenzwerten abgeglichen. Das ist bislang einmalig.

Der Keratograph 5M geht sogar noch einen Schritt weiter, indem er auch die für den Tränenfilm so wichtige Lipidschicht analysiert. Wie dick ist diese ölige Lipidschicht? Wie reagiert sie auf Fremdkörper? Erfüllt sie ihre Schutzfunktion in ausreichendem Maße? Um diese Fragen zu beantworten, wird nach dem Lidschlag die Bewegung von Partikeln auf dem Tränenfilm im Mikrometerbereich beobachtet. Dadurch kann man auf die Qualität der Lipidschicht schließen. Sie hat letztlich Konsequenzen für die Wahl nicht nur der Kontaktlinsen sondern auch der Pflegemittel. Eine ganz neue Funktion des aktuellen Keratograph ist die Meibographie. Dabei werden die sogenannten Meibom-Drüsen analysiert, die an der Innenseite des Ober- und Unterlids die Lipidschicht auf dem Tränenfilm produzieren. An dieser Stelle ist Früherkennung besonders wichtig, weil eine Rückbildung oder Dysfunktion derzeit (noch) nicht therapierbar ist. Auch der Reizzustand der Bindehaut kann durch die gleichmäßige Beleuchtung am Keratograph und die entsprechende Software erstmalig ermittelt werden.

Qualität „Made in Wetzlar“

Dass ein einziges Gerät eine so umfassende Untersuchung, Diagnostik und Dokumentation ermöglicht, ist nicht selbstverständlich. Zumal bei hochkomplexen integrierten Systemen oftmals die Qualität der einzelnen Funktionen leidet. Bei dem OCULUS Keratograph 5M ist das nicht der Fall. Die digitale CCD-Kamera mit höchster Darstellungsqualität und Bildfrequenz basiert auf neuesten Technologiestandards und wurde ebenso wie die übrige die Hardware und Software im Haus entwickelt. Höchste Qualität heißt bei OCULUS also „Made in Wetzlar“. Bei der Vorentwicklung arbeiten die Experten von OCULUS eng mit den Hochschulen zusammen, unter anderem mit der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM); im Hinblick auf die Anwendungstechnik wiederum sucht das Unternehmen schon früh den Austausch mit den Untersuchenden, um deren Bedarfe abzufragen und die Geräte optimal auf deren tägliche Praxis auszurichten.

„Bei der ophthalmologischen Voruntersuchung geht es ja darum, verlässliche Messergebnisse zu liefern, um damit die Grundlage für eine ebenso abgesicherte Diagnose zu schaffen. Darin unterstützen wir die Anwender mit besonders hochwertigen und effektiven Geräten“, so Kai Mothes. Dass diese Unterstützung auf einem Know-how basiert, das in der Branche seinesgleichen sucht, wissen auch die Kunden zu schätzen. In Deutschland ist der OCULUS Keratograph 5M äußerst erfolgreich eingeführt. In den USA, wo derzeit die medizinischen Auswirkungen der zunehmenden Bildschirmarbeit umfassend erforscht werden, hat der Keratograph bereits einen weiteren großen Markt erschlossen.

Das vorläufige Fazit der Experten von OCULUS fällt also durchweg positiv aus. Das gleiche gilt für die Messdaten und -ergebnisse, die der Keratograph 5M in meinem Fall ergeben hat. Bis auf ein paar zu vernachlässigende Gipfel in der Topographie meiner Hornhaut sprechen alle Werte dafür, dass ich Kontaktlinsen tragen könnte. Welche Linsen in Frage kommen, erfahre ich ebenfalls. Ob ich an meiner Brille festhalten werde? Ich werde es mir überlegen.

Weitere Informationen:

www.oculus.de

 

Die Kalotte ist das Herzstück des Keratograph 5M.
Die Kalotte ist das Herzstück des Keratograph 5M.
Nicole und Kai Mothes erklären die Funktioanlitäten des Keratograph.
Nicole und Kai Mothes erklären die Funktioanlitäten des Keratograph.