Björn Seipp, Geschäftsführer der HSG Wetzlar. (Bild: Maik Scharfscheer)
Björn Seipp, Geschäftsführer der HSG Wetzlar. (Bild: Maik Scharfscheer)

HSG Wetzlar

The Manager

Für den sportlichen Erfolg der HSG Wetzlar sind Trainerstab und Mannschaft zuständig; Aufsichtsrat und Geschäftsführer Björn Seipp für den wirtschaftlichen. In beiderlei Hinsicht will der Handball-Bundesligist auch künftig ganz oben mitspielen.

W3+: Herr Seipp, wie lief die vergangene Saison für die HSG Wetzlar?

Björn Seipp: Die Runde begann mit einem anspruchsvollen Programm gegen die Topteams der Liga, und wir sind dementsprechend nicht so erfolgreich gestartet. Nach dem Trainerwechsel im Herbst haben Gennadij Chalepo und unser Co-Trainer Jochen Beppler hervorragende Arbeit geleistet, was sich auch in den Ergebnissen niederschlug. Am Ende hat unsere Mannschaft, vor allem dank vieler Heimsiege, einen beeindruckenden 11. Platz erreicht und so viele Punkte eingespielt, wie es uns bislang nur ganz selten in der Bundesliga gelungen ist.

W3+: Die Mannschaft der HSG startet nun die 14. Bundesliga-Saison in Folge.

Björn Seipp: Richtig. Dabei muss man bedenken, dass uns die meisten Experten nach dem Aufstieg in die 1. Liga im Jahr 1998 schon wieder in dem Fahrstuhl nach unten sahen. Aber wir haben damals wie heute bewiesen, dass wir keine Eintagsfliege sind. In der vergangenen Saison haben wir uns gewissermaßen als „Meister der Kleinen“ etabliert – will sagen: Mit unserem begrenzten Etat haben wir sportlich das Bestmögliche erreicht.

W3+: Die TOYOTA Handball-Bundesliga gilt als eine der stärksten der Welt – in der Spitze und in der Breite.

Björn Seipp: Das ist ganz sicher so. Die besten Spieler der Welt spielen in der TOYOTA Handball-Bundesliga. Auch wir haben viele aktuelle Nationalspieler in unseren Reihen, zum Beispiel Alois Mraz aus Tschechien, Daniel Valo aus der Slowakei oder Giorgos Chalkidis aus Griechenland, aber auch Timo Salzer aus dem erweiterten deutschen Nationalmannschaftskader. Gleichzeitig legen wir großen Wert darauf, junge Talente aus der Region zu fördern und aufzubauen. Die gesunde Mischung aus Leistungsträgern und Nachwuchsspielern – das ist es, was die HSG Wetzlar ausmacht.

W3+: Suchen und finden Sie Ihren Nachwuchs vor allem in der Region?

Björn Seipp: Wir haben das große Glück, in einer absolut handballbegeisterten Region angesiedelt zu sein. Die Vereine leisten hier sehr gute Nachwuchsarbeit, insbesondere unsere beiden Trägervereine der Handballspielgemeinschaft Dutenhofen/Münchholzhausen. Und trotzdem: Ein Talent zu finden, dass das Zeug hat, den Sprung in die 1. Liga zu schaffen, ist nicht leicht – denn, wie gesagt, die Handball-Bundesliga ist die stärkste Liga der Welt. Das wäre etwa so, als wollte man jedes Jahr einen Dirk Nowitzki zur NBA in die USA schicken.

W3+: Ein ehemals junges Talent spielt seit Jahren erfolgreich für die HSG Wetzlar – Torhüter Nikolai Weber.

Björn Seipp: Ja, er kam von Münzenberg über Gelnhausen nach Wetzlar, spielte von 1999 bis 2001 bei uns und kam 2005 zurück, um bis heute zu bleiben. Nikolai Weber ist ohne Zweifel nicht nur einer der Leistungsträger der HSG, sondern gehört auch zu den Publikumslieblingen und Identifikationsfiguren des Vereins. Nicht zu vergessen unsere beiden Junioren-Weltmeister Kevin Schmidt und Steffen Fäth, die ebenfalls aus der Region stammen und in der kommenden Spielzeit endgültig in der 1. Liga ankommen wollen.

W3+: Wie wichtig ist die HSG Wetzlar für die Region?

Björn Seipp: Ich denke, die HSG schafft Identifikation und ist sehr stark in der Region verankert. Umgekehrt ist die Region auch sehr wichtig für die HSG. Bei unseren Heimspielen in der Rittal Arena haben wir im Durchschnitt 3.800 Besucher. Dass die Fans hier voll und ganz hinter der HSG stehen und sich für ihre „Grün-Weißen“ so richtig ins Zeug legen, ist weit über die Grenzen Mittelhessens hinaus bekannt und bei den Gegnern zum Teil auch gefürchtet.

W3+: Wie nah sind Sie als Geschäftsführer an der Mannschaft dran?

Björn Seipp: Ich war vor meiner Tätigkeit als Geschäftsführer für die Pressearbeit der HSG zuständig und hatte dadurch bereits engen Kontakt zu den Spielern. Auch jetzt ist es so, dass ich regelmäßig beim Training und auch den Auswärtsspielen dabei bin. Umgekehrt schauen die Spieler und Trainer auch bei mir in der Geschäftsstelle vorbei – selbst wenn es nur mal auf einen Kaffee ist. Ich denke, das muss auch so sein!

W3+: Ihre Hauptaufgabe besteht jedoch darin, sich um die wirtschaftlichen Belange des Vereins zu kümmern.

Björn Seipp: Richtig. In enger Abstimmung mit den Aufsichtsräten kümmere ich mich um Sponsoren und um Partnerschaften, die für beide Seiten eine Bereicherung bringen. Wir haben rund 140 treue Partner, die die Aktivitäten des Vereins unterstützen – vom kleinen Mittelständler bis zum Großkonzern, aus der Region und darüber hinaus. Dieses Engagement ist für den Verein von unschätzbarem Wert und wir arbeiten daran, diese Bindungen zu festigen und neue Partner zu gewinnen. Spitzenhandball in Deutschland hat aufgrund des hohen Leistungsniveaus seinen Preis. Oder anders gesagt: Wer langfristig in der 1. Liga mitspielen will, muss sich auch weiterentwickeln, und zwar in sportlicher, organisatorischer und wirtschaftlicher Hinsicht.

W3+: Müssen Sie im Vergleich etwa zu einem Fußball-Bundesligaverein an dieser Stelle weit mehr tun, um Ihren Etat zu erwirtschaften?

Björn Seipp: Der Vergleich mit dem Fußball hinkt in vielerlei Hinsicht – auch wenn dieser Aspekt im Bewusstsein der Öffentlichkeit nicht wirklich angekommen ist. Nicht einmal, als Deutschland vor vier Jahren Handball-Weltmeister im eigenen Land wurde. Die Begeisterung kannte damals keine Grenzen, die Aufmerksamkeit für den Handballsport war gewaltig. Die sportliche Euphorie hat sich allerdings nicht nachhaltig in einer verbesserten wirtschaftlichen Situation niedergeschlagen. Handball ist nach dem Fußball die Sportart mit den höchsten Einschaltquoten im deutschen Fernsehen. Und dennoch könnte kein Handball-Verein aus den Einnahmen aus den Übertragungsrechten einen soliden Etat bestreiten.

W3+: Trotzdem steht die HSG Wetzlar – nach einigen schwierigen Jahren – finanziell gut da.

Björn Seipp: Wir sind auf einem guten Weg und arbeiten stetig an der wirtschaftlichen Gesundung der HSG. Natürlich könnte die Situation immer besser sein, aber wir sind zufrieden. Die positive wirtschaftliche Entwicklung ist auch darauf zurückzuführen, dass wir im Hinblick auf Partner und Sponsoren wesentlich aktiver geworden sind. Die Partnerschaft zwischen der HSG und den Unternehmen lässt sich ja nicht darauf reduzieren, gegen finanzielle Unterstützung einfach nur Firmenlogos zu platzieren. Für uns ist es wichtig, dass so eine Partnerschaft für beide Seiten und auf vielen Ebenen eine Bereicherung ist. Dazu gehört der intensive Austausch, die Netzwerkarbeit aber auch der Gedanke, unsere Heimspiele in der Rittal Arena als gesellschaftliche Plattform für Entscheidungsträger aus der Politik und Wirtschaft stärker zu nutzen.

W3+: Wie stehen die Zeichen für die neue Saison 2011/2012?

Björn Seipp: Für uns heißt das primäre Ziel, den Klassenerhalt erneut frühzeitig sicher zu stellen! Die Mannschaft arbeitet dafür seit Anfang Juli täglich im Training und ist richtig heiß auf die neue Saison. Die Fans können es ebenfalls kaum erwarten. Als Geschäftsführer werde ich mich gemeinsam mit unseren Aufsichtratsmitgliedern besonders dafür engagieren, weitere Partner zu gewinnen, die unsere Aktivitäten unterstützen. Denn nur so können wir es schaffen, dass Wetzlar – sportlich und wirtschaftlich – auch künftig im Handball-Oberhaus mitspielt.

 

Weitere Informationen:

www.hsg-wetzlar.de