Die Kooperation zwischen Prag und der Industrieregion Wetzlar ist eine Chance für beiden Seiten. (Bilder: Ralf A. Niggemann)
Die Kooperation zwischen Prag und der Industrieregion Wetzlar ist eine Chance für beiden Seiten. (Bilder: Ralf A. Niggemann)

Wetzlar Network

Regional – International

Das Wetzlar Network wurde in das Förderprogramm „Internationalisierung von Spitzenclustern“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) aufgenommen. Das Programm zielt darauf ab, mittelständischen Unternehmen in der Region eine erfolgreiche internationale Kooperation bei Forschung und Entwicklung zu ermöglichen.

Die Freude ist groß. Die Pläne weisen in die Zukunft. Der Bund fördert internationale Projekte, um mittelständischen Unternehmen eine erfolgreiche internationale Kooperation bei Forschung und Entwicklung zu ermöglichen. Mit der Bewilligung des BMBF, das Wetzlar Network in das Förderprogramm „Internationalisierung von Spitzenclustern“ aufzunehmen, eröffnen sich dem Netzwerk und der Industrieregion ganz neue Möglichkeiten. Konkret umfasst der Bewilligungsbescheid Fördergelder in Höhe von 160.000 Euro für die Planung von Forschungs- und Entwicklungsprojekten. Weitere drei Millionen Euro fließen später bei der Umsetzung als Projektförderung in die Zusammenarbeit mit der Industrie. Gefördert wird die Kooperation mit dem tschechischen Laserforschungszentrum ELI in Prag. „Wir freuen uns über diesen Erfolg des Wetzlar Network“, sagt Bürgermeister Harald Semler. „Dies belegt erneut, dass die Region Wetzlar mit der optischen Industrie ein innovatives, zukunftsweisendes Standbein hat.“

Die Laufzeit hat bereits im Januar mit einer 18-monatigen Konzeptphase begonnen. Anschließend sollen drei F&E-Projekte innerhalb von drei Jahren umgesetzt werden. Dabei werden die Potenziale beider Seiten in die Waagschale geworfen: Die Region Wetzlar ist mit 70 Optikbetrieben, 7.000 Beschäftigten und 2,2 Milliarden Euro Jahresumsatz neben Jena die führende Optikregion in Deutschland. Ziel des Projekts Extreme Light Infrastructure (ELI) in Prag ist die Entwicklung modernster Lasertechnologie für wissenschaftliche und industrielle Anwendungen. Netzwerkmanager Ralf Niggemann ist überzeugt: „Beide Zentren werden von dieser intensiven Zusammenarbeit profitieren. Wetzlar erhält Zugang zur Hightech-Laserphysik, die in Deutschland nicht verfügbar ist. Prag wiederum kann die kurzen Wege zu den Industrieunternehmen der Region Wetzlar nutzen, um neue Anwendungsfelder etwa in der Bio- und Medizintechnik zu erschließen.“

Rund fünf Stunden Autofahrt liegen zwischen Wetzlar und Prag, eine knappe Flugstunde zwischen Frankfurt und der tschechischen Hauptstadt. Die Stadt an der Moldau gilt unter Wissenschaftlern als Geheimtipp – vor allem im Bereich der optischen und Lasertechnologien. Seit 2010 hat sich die Zahl der Patentanmeldungen tschechischer Forscher und Entwickler nahezu verdoppelt – die meisten in der Optik und organischen Chemie. In Prag werden die leistungsstärksten Laser der Welt gebaut.

Der erste Besuch einer Wetzlarer Delegation in Prag hatte bereits im August 2016 stattgefunden. Für Georg Korn, Leiter des Department of Experimental Programs am Prager Institut, ist die internationale Kooperation zukunftsweisend, denn: „Das Projekt ELI wird neue Technologien für die medizinische Bildgebung, Diagnostik und die Radiologische Therapie bringen, aber auch für die Materialentwicklung und -prüfung, Röntgenoptik und vieles mehr.“ Stefan Borneis vom GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt, der dem Projekt ELI beratend zur Seite steht, sieht darin eine Chance für die europäische Wissenschaft und die Wirtschaft gleichermaßen. Dass die Möglichkeiten und Ergebnisse der Forschung im Projekt ELI grenzüberschreitend genutzt werden sollten, darin sind sich die Vertreter aus Wetzlar und Prag einig. Wie weit die Entwicklungen im Projekt ELI reichen, wurde den Gästen während einer Führung durch das Institut verdeutlicht. Bei ELI ist es bereits heute möglich, hochkomplexe Laserexperimente mittels virtual reality zu planen und mit 3D VR Brillen virtuell zu erleben.

In Prag wurde also die Wetzlarer Delegation mit offenen Armen empfangen. Ein erster Gegenbesuch ist während der Messe W3+ FAIR im Februar 2017 in der Rittal-Arena vorgesehen. Als Projektleiter betreut der Technologieberater André Noack, Vorstandsmitglied des Wetzlar Network, die Kooperation. In den nächsten Monaten wird mit heimischen Unternehmen sondiert, welche F&E-Themen von Interesse sind. Einige konkrete Projektideen gibt es bereits: Zum Beispiel die gemeinsame Entwicklung adaptiver Spiegel, die sogenannte Wellenfrontstörungen (z. B. durch Luft) kompensieren und etwa in der Sportoptik längere Reichweiten möglich machen. Oder auch die Ausarbeitung von Verfahren zur Regenerierung von Laserspiegeln. Weitere Ideen sind High-End Spiegelhalter, High-Power Ultrakurzpulslaser sowie neue Technologien für Hadronentherapie und High-End Messtechnik.

 

Weitere Informationen:

www.eli-beams.eu