An Maschinen lernen die Lehrlinge von UHL das feinmechanische Handwerk. (Bilder: Maik Scharfscheer)
An Maschinen lernen die Lehrlinge von UHL das feinmechanische Handwerk. (Bilder: Maik Scharfscheer)

Walter UHL

Key Qualifications

Im östlichen Gewerbegebiet von Aßlar läuft die Fertigung der Walter UHL technische Mikroskopie GmbH & Co. KG auf Hochtouren. Am anderen Ende der Stadt, direkt an der Dill, liegt die Wiege des Unternehmens. Hier hat Inhaber Walter Uhl eine Lehrwerkstatt für Auszubildende eingerichtet.

Walter Uhl gehört zu jenen Unternehmerpersönlichkeiten, die Tag und Nacht für ihre Firma arbeiten, aber in der Öffentlichkeit nicht viel Aufhebens darum machen. Fast beiläufig erzählt er von einer Auszeichnung, die er am Vorabend entgegengenommen habe. Genauer gesagt am 8. November 2010. Die Volksbank Mittelhessen hatte erstmals den „Förderpreis Handwerk“ ausgelobt, der unter dem Motto stand: „Ausbildung mit Zukunft – Zukunft mit Ausbildung“. Walter Uhl wurde aufs Podium gerufen und durfte den ersten Preis entgegennehmen, immerhin mit 5.000 Euro dotiert. „Ich war in erster Linie überrascht“, erzählt Uhl, „und habe mich natürlich sehr gefreut – vor allem für unsere Lehrlinge, in deren Ausbildung das Preisgeld gleich wieder investiert wird.“

Hochspezialisierter Handwerksbetrieb – international ausgerichtet

Wie wichtig gerade die Ausbildung in einem hochspezialisierten Handwerksbetrieb ist, weiß Walter Uhl zur Genüge. Dieses Wissen hat er von seinem Vater Oskar geerbt, der 1943 den Betrieb aufbaute. „Er hat auf die Stärke des Handwerks gesetzt und sehr früh ein eigenständiges Produktprogramm entwickelt – mit dem Anspruch, der Beste in der Nische zu sein“, erzählt Uhl. International war das Unternehmen von Anfang an ausgerichtet, denn die im Rhein-Main-Gebiet stationierten Amerikaner wurden auf die herausragende Qualität des Handwerksbetriebs aufmerksam. Viele GIs, erzählt Uhl, waren zu Hause in den USA erfolgreiche Unternehmer: „Einer der damaligen Offiziere, der feinmechanische Komponenten brauchte, ist bis heute unser Kunde.“

Firma UHL als kleiner Systemanbieter

Mit den mikroskopischen Anwendungen in der Branche hat sich seither natürlich auch das Handwerk der Firma Uhl erheblich weiterentwickelt. Das Produktspektrum umfasst Mikroskopelemente wie Okulare und Kameras sowie Tubus-, Verbindungs- und Bewegungselemente, die sozusagen modular als Baukastensystem auf die jeweiligen Kundenanforderungen ausgerichtet werden. Ebenfalls nach Kundenspezifikation konstruiert und fertigt UHL Sondergeräte für die geometrische Vermessung und die Mikromontage von Bauteilen – bis hin zu einer kompletten Passlochstanze für Filme in der Leiterplattenproduktion oder ein Spinndüsenprüfmikroskop für die Kunstfaserindustrie. Letztere Technologie hat sich UHL patentieren lassen. „Vor allem bei Messsystemen für industrielle Anwendungen kommt es auf die Integration der Messinstrumente in die Fertigungslinien an“, erläutert Walter Uhl. „Als kleiner Systemanbieter liefern wir auch hier alles aus einer Hand.“

Messmikroskope und Softwarelösungen

Neben der mechanischen und optischen Präzision spielt die Softwareentwicklung bei der Messmikroskopie eine zentrale Rolle. Dabei geht es um die Visualisierung der Messergebnisse genauso wie um deren Dokumentation. Die optische Messsoftware OMS hat UHL speziell für das zweidimensionale Vermessen von Erstmustern und Kleinserien mit hand- oder motorbetriebenen Messmikroskopen in Messraum- oder Produktionsumgebungen entwickelt. Die interaktive Messsoftware IMS wiederum ist in der Lage, Messverläufe bei der Fertigung von Serienteilen zu dokumentieren. Alle Softwarelösungen aus dem Hause UHL sind einfach zu bedienen, leistungsfähig, vollautomatisch und hoch-integrierbar.

High-Tech braucht gute Ausbildung

Bei einer Fertigungstiefe von 90 Prozent werden bei UHL Komponenten in modernster CNC-Technologie mit 5-Seitenbearbeitung gefertigt. Robotersysteme ermöglichen die Bearbeitung von bis zu 50 verschiedenen Teilen gleichzeitig auf einer Maschine. Rund 20 Mitarbeiter arbeiten in der Entwicklung, Fertigung und Verwaltung von UHL. Sie alle haben ihr Handwerk gelernt und sich die höchst anspruchsvollen Fertigkeiten erarbeitet, auf die ein spezialisierter mittelständischer Betrieb wie UHL angewiesen ist. Dass die vergleichsweise kleine Firma sage und schreibe sieben Lehrlinge ausbildet, ist bemerkenswert. Aber ebenso konsequent.

Eine Lehrwerkstatt für den Nachwuchs

„Die speziellen Kompetenzen, die wir heute und in Zukunft brauchen, können wir den nachwachsenden Generationen am ehesten durch eine hervorragende Ausbildung im eigenen Betrieb vermitteln“, sagt Walter Uhl. Der Chef des Familienunternehmens ist bereit, dafür auch die besten Ausbildungsbedingungen zu schaffen. In der ehemaligen Werkshalle des väterlichen Betriebs hat er in den vergangenen Jahren eine Lehrwerkstatt eingerichtet. An Maschinen lernen die Lehrlinge das feinmechanische Handwerk, aber auch den Umgang mit Konstruktionszeichnungen und entsprechenden Softwareprogrammen. Ein Lehrlingsmeister kümmert sich ausschließlich um den Nachwuchs.

Auch für Lehrlinge aus anderen Betrieben

Eine solche Lehrwerkstatt leistet sich nicht jedes Unternehmen – schon gar nicht ein Mittelständler mit 20 Mitarbeitern. Bei UHL ist sie ein wesentlicher Baustein der Unternehmensphilosophie. Diese ausgezeichneten Ausbildungsbedingungen will Walter Uhl aber nicht nur seinen eigenen Lehrlingen vorbehalten, sondern auch Lehrlingen aus anderen Betrieben in der Region eröffnen. „Der Austausch zwischen den Unternehmern und den Lehrlingen aus den unterschiedlichsten Betrieben hat dazu geführt, dass ich immer mehr Anfragen bekomme, die Lehrwerkstatt ebenfalls nutzen zu können. Das ist natürlich großartig. Je mehr davon profitieren, desto besser.“

„Ausbildung mit Zukunft – Zukunft mit Ausbildung“

Die Lehrwerkstatt am Dillufer von Aßlar pflegt also die traditionellen Stärken der Firma UHL an historischer Stätte. Und sie ist gleichzeitig eine zukunftsweisende Ausbildungssituation mit Modellcharakter. Die jüngste Auszeichnung mit dem Förderpreis der Volksbank Mittelhessen für „Ausbildung mit Zukunft – Zukunft mit Ausbildung“ ist also mehr als gerechtfertigt. Und wenn Walter Uhl verspricht, das Preisgeld gleich wieder in die Ausbildung zu investieren, dann ist es ohne Zweifel in der Lehrwerkstatt äußerst sinnvoll angelegt.

Ralf Christofori

 

Weitere Informationen:

www.walteruhl.com

Präzision wird schon in der Ausblidung vermittelt.
Präzision wird schon in der Ausblidung vermittelt.
Ein Lehrlingsmeister kümmert sich ausschließlich um den Nachwuchs.
Ein Lehrlingsmeister kümmert sich ausschließlich um den Nachwuchs.